Chicorée anbauen: Aussaat, Treiberei und Ernte

Chicorée ist das einzige Gemüse im Hobbygarten, das du zweimal erntest: zuerst die Wurzel aus dem Beet, dann den Chicon aus dem Keller. Dieses besondere Zweiphasen-Prinzip macht es möglich, von November bis März frische, knackige Knospen zu ernten, während der Garten draußen schläft. Wer die Kulturtechnik einmal beherrscht, kann mit einem einzigen Beet den gesamten Winter über eigene Chicorée-Chicons auf den Tisch bringen. Dieser Ratgeber zeigt dir Schritt für Schritt, wie Aussaat, Freilandkultur, Wurzelernte und Treiberei im Dunkeln gelingen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Chicorée wird in zwei Phasen angebaut: Wurzeln 150-180 Tage im Beet, dann 3-5 Wochen Treiberei im Dunkeln
  • Aussaat: Mitte April bis Anfang Juli direkt ins Beet; Optimum ist Mitte Mai bis Anfang Juni
  • Niemals vorziehen: Vorzucht erzeugt krumme, verzweigte Wurzeln, die sich nicht für die Treiberei eignen
  • Treiberei-Grundregel: Absolute Dunkelheit und konstant 15-18 °C sind entscheidend für milde, feste Chicons
  • Chicons früh ernten (12-15 cm): Jüngere Knospen sind zarter und bitterärmer
  • Mindestens 4 Jahre Anbaupause für alle Korbblütler im selben Beet einhalten
  • Einsteiger-Sorten: 'Witloof', 'Etardo' oder 'Macun'

Die besten Chicorée-Sorten

Mehrere blassgelbe, fest geschlossene Chicorée-Chicons liegen auf einem rustikalen Holzbrett

Für den Hobbygarten gibt es mehrere bewährte Sorten, die sich im Treibzeitpunkt, der Knospenform und im Bitterkeitsgehalt unterscheiden.

'Brüsseler Witloof' ist die klassische Sorte und der Standard für den Eigenanbau. Sie ist mittelfrüh und eignet sich für Treiberei von November bis März. Neuere Züchtungen wie 'Zoom F1' sind schon ab Oktober lagerbar und benötigen beim Treiben keine Deckschicht aus Erde, was den Prozess vereinfacht.

Wer wenige Bitterstoffe bevorzugt, greift zu 'Macun': Diese Sorte entwickelt ein mildes, fast nussiges Aroma. 'Etardo' produziert besonders schwere, feste Knospen und lässt sich bis in den April treiben, was die Erntesaison deutlich verlängert.

Als optische Besonderheit gibt es 'Robin' und 'Redoria F1' mit rötlichen bis roséfarbenen Knospen. Bei 'Robin' muss die Aussaat erst im Mai oder Juni erfolgen, da frühere Aussaat Schosser statt Wurzeln erzeugt.

SorteTreibzeitraumBesonderheit
'Brüsseler Witloof'November–MärzKlassiker, benötigt Deckschicht
'Zoom F1'Oktober–MärzFrüh, keine Deckschicht nötig
'Etardo'November–AprilSchwere Knospen, für Einsteiger
'Macun'November–JanuarMild-nussig, wenig bitter
'Robin'Dezember–MärzRosarote Knospen, besondere Optik

Für den ersten Anbau sind 'Etardo' oder 'Witloof' empfehlenswert: Beide sind robust, verzeihen kleinere Fehler und liefern zuverlässige Ergebnisse.

Chicorée als Wintergemüse: Gesundheit und Verwendung

Chicorée liefert in der lichtarmen Jahreszeit frische, knackige Knospen und ist dabei kalorienarm und nährstoffreich. Er enthält die Vitamine B1, B2, C und Beta-Carotin sowie die Mineralstoffe Kalium, Phosphor und Kalzium. Der charakteristische Bitterstoff Intybin regt die Gallenproduktion an und unterstützt so die Verdauung. Studien deuten darauf hin, dass er außerdem Cholesterin und Blutdruck positiv beeinflussen kann.

Besonders interessant ist Inulin, ein Kohlenhydrat in der Chicorée-Wurzel, das unverdaut in den Dickdarm gelangt und dort als Ballaststoff wirkt. Für Menschen mit Diabetes ist es geeignet, da es den Blutzucker nicht anhebt.

In der Küche sind Chicons vielseitig: roh als Salat, gedünstet als Gemüsebeilage, gebraten oder überbacken als Auflauf. Wer den Bittergeschmack mildern möchte, schneidet den inneren Strunk keilförmig heraus, da er die höchste Konzentration an Bitterstoffen enthält. Kurzes Blanchieren vor dem Braten reduziert die Bitterkeit zusätzlich. Wer auf Koffein verzichten möchte, kann aus gerösteten Chicorée-Wurzeln außerdem einen aromatischen Zichorienkaffee herstellen.

Aussaat und Freilandkultur

Der Chicorée-Anbau beginnt mit der richtigen Bodenvorbereitung. Chicorée braucht einen tiefgründigen, lockeren Boden ohne Steine. Schwere Tonböden und Staunässe führen zu krummen, verzweigten Wurzeln, die sich für die Treiberei kaum eignen. Sandiger Lehmboden mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 7,0 ist ideal. Vor der Aussaat das Beet mindestens 30 cm tief lockern und ca. 3 Liter reifen Kompost pro Quadratmeter einarbeiten.

Chicorée ist Leicht- bis Mittelzehrer und kommt mit mittlerer Bodenfruchtbarkeit gut aus. Zu viel Stickstoff treibt das Blattwachstum auf Kosten der Wurzel an und beeinträchtigt außerdem die Lagerfähigkeit.

Aussaat direkt ins Beet

Der optimale Aussaatzeitpunkt liegt zwischen Mitte April und Anfang Juli; das Optimum ist Mai bis Anfang Juni. Frühere Aussaat riskiert Schosser, spätere Aussaat ergibt zu schwache Wurzeln für eine erfolgreiche Treiberei.

Das Wichtigste dabei: Chicorée darf nicht vorgezogen werden. Vorzucht in Töpfen führt zuverlässig zu krummen, verzweigten Wurzeln. Nur Direktsaat erzeugt die glatten, gleichmäßigen Wurzeln, die für die Treiberei gebraucht werden.

  1. Reihen mit 30-50 cm Abstand anlegen
  2. Samen 1-2 cm tief einzeln aussäen
  3. Nach dem Aufgang auf 10-15 cm Abstand vereinzeln
  4. Bis der Bestand lückenlos geschlossen ist, regelmäßig jäten und hacken

Nach dem Anwachsen ist Chicorée pflegeleicht. Er kommt mit wenig Wasser aus und braucht nur bei längerer Trockenheit zusätzliche Bewässerung. Blattläuse und Minierfliegen können auftreten: Ein Kulturschutznetz hält beide Schädlinge fern. Gegen Nematoden im Boden hilft das Pflanzen von Tagetes oder Ringelblumen in der Nachbarschaft.

Tipp: Halte mindestens 4 Jahre Anbaupause für alle Korbblütler im selben Beet ein. Dazu zählen Salat, Endivie, Radicchio, Zuckerhut und Chicorée selbst. Als gute Vorfrüchte eignen sich Erbsen, Bohnen, Spinat oder Feldsalat.

Wurzeln ernten und lagern

Mehrere frisch geerntete Chicorée-Wurzeln liegen nebeneinander auf dem Gartenboden, beige-weiß, 15-20 cm lang

Die Wurzelernte ist die Schnittstelle zwischen Freilandphase und Treiberei. Der richtige Zeitpunkt liegt zwischen Mitte Oktober und Anfang November. Ein leichter Frost vor der Ernte ist sogar vorteilhaft: Er fördert die sogenannte Treibstimmung der Wurzel, also die physiologische Bereitschaft zum erneuten Austrieb.

So erntest du die Wurzeln:

  1. Pflanzen vorsichtig mit einer Grabegabel lockern (nie an den Blättern ziehen)
  2. Erde sanft abklopfen, Wurzeln aber nicht waschen
  3. Blätter ca. 2 cm über dem Wurzelkopf abschneiden; das Herz (Vegetationspunkt) darf dabei nicht verletzt werden
  4. Wurzeln mit weniger als 2 cm Durchmesser aussortieren
  5. 1-2 Tage an der Luft antrocknen lassen

Erntereife Wurzeln sind 15-20 cm lang, 3-6 cm dick und wiegen etwa 100-200 Gramm.

Lagerung bis zur Treiberei

Für eine gute Treiberei benötigen die Wurzeln 2-3 Wochen Kälte (Vernalisation). Lagere sie in Kisten mit feuchtem Sand oder Torf bei 0-4 °C, zum Beispiel in einem kühlen Keller oder im Kühlschrank. Kontrolliere die Kisten regelmäßig und entferne faulende Wurzeln sofort.

Die Treiberei kann ab Ende November beginnen. Da die Wurzeln mehrere Monate haltbar sind, kannst du Portionen im Abstand von 2-3 Wochen einlegen und so von November bis März einen kontinuierlichen Nachschub an Chicons sicherstellen.

Treiberei: So entsteht der Chicon im Dunkeln

Die Treiberei ist das Herzstück des Chicorée-Anbaus. Das Prinzip: Die Wurzeln werden bei Wärme und in vollständiger Dunkelheit zum Austreiben gebracht. Ohne Licht bleiben die wachsenden Knospen zartgelb und mild; schon wenige Stunden Lichteinfall lässt sie ergrünen und bitterer werden.

Was du brauchst:

  • Einen dunklen Kübel oder Eimer mit Bodenlöchern (mind. 40 cm hoch)
  • Sand-Erde-Gemisch als Substrat
  • Einen zweiten Kübel oder eine lichtdichte Abdeckung
  • Einen warmen, dunklen Raum mit konstant 15-18 °C

Schritt für Schritt:

  1. Kürze die Wurzeln auf ca. 20 cm, entferne welke Blattreste (den grünen Knospenspross erhalten)
  2. Fülle ca. 10 cm Sand-Erde-Gemisch in den Kübel
  3. Stelle die Wurzeln dicht nebeneinander senkrecht auf
  4. Fülle die Zwischenräume bis zur Herzknospe mit Substrat auf
  5. Stülpe einen zweiten Kübel mit dem Boden nach oben als Abdeckung darüber, oder nutze eine lichtdichte Folie
  6. Stelle den Kübel an einen Ort mit konstant 15-18 °C

Bei Temperaturen unter 12 °C wachsen die Knospen sehr langsam oder gar nicht. Über 20 °C entstehen weiche, faulige Chicons. Ein Heizraum oder eine beheizbare Speisekammer ist ideal. Nutze ein einfaches Thermometer zur Kontrolle.

Gieße mäßig mit lauwarmem Wasser: Das Substrat soll gleichmäßig feucht, aber nicht nass sein. Staunässe führt zu Fäulnis und vernichtet die gesamte Ernte.

Wann sind die Chicons erntereif?

Nach 3-4 Wochen sollten die Knospen 12-15 cm lang und fest geschlossen sein. Ernte lieber etwas früher als zu spät: Jüngere Chicons sind milder und zarter, überreife öffnen sich und werden bitter. Schneide oder brich die Chicons direkt über der Wurzel ab. Nutze dafür eine Taschenlampe, um den Lichteinfall so gering wie möglich zu halten.

Tipp: Durch gestaffeltes Einlegen alle 2-3 Wochen sorgst du für einen ununterbrochenen Chicon-Nachschub von November bis März.

Häufige Fehler und Lösungen

FehlerUrsacheLösung
Krumme, verzweigte WurzelnVorgezogen statt direkt gesätImmer Direktsaat verwenden
Schwache, dünne WurzelnZu spät gesät oder zu viel StickstoffAussaat Mai–Juni, kein Überdüngen
Chicons werden grün und bitterLichteinfall bei TreibereiLückenlose Abdunkelung sicherstellen
Fäulnis in der TreibereiZu viel gießen, schlechte DrainageNur mäßig gießen, Kübel mit Löchern
Knospen wachsen kaumZu kalt (unter 12 °C)Wärmeren Standort wählen, Heizraum
Weiche, geschmacklose ChiconsZu warm (über 20 °C)Konstant 15-18 °C anstreben
Schosser statt WurzelnZu frühe AussaatNicht vor Mitte April säen
Blattläuse im BeetNatürlicher BefallKulturschutznetz von Anfang an aufhängen

Tipp: Wer keine geeignete Dunkelkammer hat, kann schwarze Mülltüten als kostengünstige Abdunkelung nutzen. Entscheidend ist, dass wirklich kein Lichtstrahl eindringt.

FAQ

Kann ich Chicorée auch auf dem Balkon anbauen?

Die Freilandphase ist im Kübel aufwendig, da Chicorée tiefgründige Böden braucht. Die Treiberei hingegen lässt sich problemlos auch auf einem Balkon oder in einer Wohnung durchführen, sofern ein ausreichend dunkler und kühler Raum vorhanden ist. Wer keine eigene Freilandkultur betreiben möchte, kann Wurzeln auch im Herbst auf dem Markt kaufen und diese direkt für die Treiberei nutzen.

Warum werden meine Chicons trotz Dunkelheit bitter?

Bitterkeit bei korrekt getriebenen Chicons entsteht häufig durch zu hohe Temperaturen (über 20 °C), zu späte Ernte oder Stresssituationen wie Staunässe oder Frostschäden an der Wurzel. Überprüfe die Temperatur mit einem Thermometer und ernte die Knospen, sobald sie 12-15 cm lang und noch fest geschlossen sind.

Wie lange halten frische Chicons?

In ein feuchtes Küchentuch gewickelt und im Gemüsefach bei 0-1 °C halten frische Chicons bis zu 2 Wochen. Lagere sie möglichst dunkel, da Licht die Blattoberfläche ergrünen lässt. Einfrieren nach kurzem Blanchieren ist ebenfalls möglich, verändert aber die Textur.

Kann ich aus Chicorée-Wurzeln Kaffee herstellen?

Ja. Dafür werden die Wurzeln im Spätherbst geerntet, gewaschen und in Scheiben geschnitten. Anschließend im Backofen bei ca. 120 °C rösten und trocknen. Die gerösteten Scheiben können gemahlen als koffeinfreier Zichorienkaffee verwendet werden. Das war historisch ein verbreiteter Kaffeeersatz und ist heute eine interessante Alternative für koffeinfreie Heißgetränke.

Wie viele Wurzeln passen in einen Treibkübel?

In einen handelsüblichen 10-Liter-Eimer passen je nach Wurzelgröße 5-8 Wurzeln. Für einen kontinuierlichen Nachschub empfiehlt sich, alle 2-3 Wochen einen neuen Kübel einzulegen, solange Vorräte vorhanden sind.

Fazit

Chicorée ist eines der faszinierendsten Gemüse für den Hobbygarten: Der zweistufige Anbau aus Freilandkultur und Kellertreiberei ist einmalig und liefert frische Ernte in einer Zeit, in der kein anderes Gemüse im Garten wächst. Mit der richtigen Aussaatzeit, tiefgründig gelockertem Boden und konsequenter Dunkelheit bei der Treiberei gelingt das Vorhaben zuverlässig. Starte im Mai mit der Direktsaat, ernte die Wurzeln im Oktober und lege deinen ersten Treibkübel im November ein. Ab Dezember kannst du die erste eigene Ernte genießen.