Erbsen erfolgreich anbauen: Aussaat, Pflege und Ernte
Erbsen gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt, seit mehr als 8.000 Jahren werden sie in Europa angebaut. Kein Wunder: Sie sind pflegeleicht, benötigen keinen Stickstoffdünger und liefern bereits wenige Wochen nach der Aussaat frische Ernte. Ob knackige Zuckerschoten direkt vom Strauch, süße Markerbsen für die Tiefkühltruhe oder klassische Schalerbsen für Suppen und Eintöpfe, für jede Vorliebe gibt es die passende Sorte. Dieser Ratgeber zeigt dir Schritt für Schritt, wie du Erbsen von der Aussaat bis zur Ernte erfolgreich anbaust.
Das Wichtigste in Kürze
- Aussaat ab Ende März möglich, sobald die Bodentemperatur mindestens 8°C beträgt
- Saattiefe 3-5 cm, Abstand in der Reihe 3-5 cm, Reihenabstand 30-40 cm
- Kein Stickstoffdünger nötig: Erbsen fixieren Luftstickstoff über Wurzelknöllchen
- Rankhilfe frühzeitig aufstellen: Hoch wachsende Sorten brauchen Unterstützung bis ca. 1,5 m
- Ernte nach 2-4 Monaten je nach Sorte, immer in 2-3 Durchgängen (nicht alle Früchte reifen gleichzeitig)
- Fruchtfolge-Pause von mindestens 5 Jahren am gleichen Standort einhalten
- Häufiges Ernten stimuliert die Fruchtproduktion: Je mehr du pflückst, desto mehr wächst nach
Die besten Sorten für deinen Garten

Bevor du mit dem Anbau beginnst, lohnt sich ein Blick auf die drei Erbsengruppen. Sie unterscheiden sich nicht nur im Geschmack, sondern auch in Erntezeitpunkt und Verwendung.
Schalerbsen (auch Palerbsen genannt) haben glatte, runde Körner. Du erntest die Erbsen aus der Hülse; die Hülse selbst ist wegen ihrer Pergamentschicht nicht zum Essen geeignet. Schalerbsen vertragen leichte Fröste gut und können deshalb besonders früh ausgesät werden. Sie eignen sich außerdem zum Trocknen und Lagern als Trockenerbsen.
Markerbsen erkennst du an ihren runzeligen, eingeschrumpften Körnern. Das ist kein Qualitätsmangel, sondern ein Zeichen für den besonders hohen Zuckergehalt: Markerbsen schmecken merklich süßer als Schalerbsen. Sie sind die klassische Basis für die Tiefkühlware im Supermarkt und lassen sich zu Hause hervorragend einfrieren.
Zuckererbsen (auch Kaiserschoten oder Kefe genannt) sind die unkomplizierteste Wahl für Einsteiger. Die Hülsen haben keine Pergamentschicht und können komplett gegessen werden, Körner und Schote zusammen. Junge Schoten direkt vom Strauch naschen ist mit Zuckererbsen ein Erlebnis, das besonders bei Kindern beliebt ist. Auch die Blüten und jungen Blätter der Pflanze sind essbar und machen sich gut auf einem Salat.
Tipp: Wenn du unsicher bist, mit welcher Sorte du beginnen sollst, wähle Zuckererbsen. Sie sind am pflegeleichtesten, brauchen keinen Schutznetz und liefern schnell erste Erfolge.
Wann solltest du Erbsen säen?

Erbsen sind ausgesprochen kältetolerante Gemüse. Sobald die Bodentemperatur mindestens 8°C erreicht, kannst du mit der Aussaat beginnen. Das ist in den meisten Regionen Deutschlands ab Ende März der Fall.
| Erbsentyp | Frühester Aussaatstart | Späteste Nachsaat |
|---|---|---|
| Schalerbsen | Anfang März | Anfang April |
| Markerbsen | Ab April | Ende Juni |
| Zuckererbsen | Mitte März | Ende Juni |
Je früher du aussäst, desto besser: Früh ausgesäte Erbsen entwickeln sich bei kühleren Temperaturen und sind deutlich weniger anfällig für Echten Mehltau, die häufigste Krankheit dieser Pflanze. Hitze verträgt die Erbse nur schlecht; sobald die Sommertemperaturen steigen, stellt sie die Produktion oft ein.
Durch versetzte Aussaaten alle zwei bis drei Wochen verlängerst du die Erntezeit erheblich. Statt einer einmaligen Ernte hast du dann über Wochen hinweg frische Erbsen zur Hand.
Aussaat Schritt für Schritt
Standort und Boden vorbereiten
Erbsen wachsen am besten an einem sonnigen, luftigen Standort. Halbschatten wird toleriert, reduziert aber den Ertrag. Der Boden sollte locker, humusreich und tiefgründig sein, damit die Wurzeln gut eindringen können. Staunässe ist der größte Feind der Erbse: Ein gut drainierender Boden ist Pflicht. Der pH-Wert sollte zwischen 6 und 8 liegen.
Lockere die Erde vor der Aussaat mit einer Hacke auf. Du musst nicht besonders fein arbeiten: Erbsen keimen auch durch gröbere Substrate, die du nicht auflösen musst.
Direktsaat ins Beet
- Ziehe mit einem Stab oder Finger eine Saatrille, ca. 3-5 cm tief.
- Lege die Saatkörner alle 3-5 cm in die Rille. Wenn du enger säst, kannst du später vereinzeln. Die Sprossen sind übrigens köstlich auf dem Butterbrot.
- Halte einen Reihenabstand von 30-40 cm ein (bei niedrigwüchsigen Buscherbsen) oder 40-60 cm bei hohen Sorten.
- Bedecke die Samen mit Erde und drücke leicht an.
- Lege direkt nach der Aussaat ein Vogelnetz über das Beet: Spatzen und andere Vögel naschen gerne an frischen Keimlingen. Sobald die Pflanzen ca. 10 cm hoch sind, ist das Netz nicht mehr nötig.
- Eine dünne Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Stroh hilft, die Feuchtigkeit zu halten und das Unkraut zu unterdrücken. Nicht zu dick auftragen, die Erbsenkeimlinge müssen durchkommen.
Voranzucht als Alternative
In kühleren Regionen oder wenn du die Erbsen zeitlich besser einteilen möchtest, kannst du sie ab März auf der Fensterbank vorziehen. Verwende am besten zersetzbare Anzuchttöpfe aus Torf oder Kokosfaser: Du sparst dir das Pikieren, weil du den gesamten Topf direkt ins Beet eingraben kannst, sobald keine Frostgefahr mehr besteht. Die Wurzeln wachsen ungestört durch den Topf in die Erde.
Stecke die Samen ca. 2 cm tief in das Anzuchtsubstrat, gieße gleichmäßig an und stelle die Töpfe hell und kühl auf.
Pflege: Gießen, Düngen, Unkraut
Bewässerung
Erbsen mögen es mäßig feucht. In der reinen Wachstumsphase gießt du eher sparsam; die Pflanze verträgt kurzfristige Trockenheit besser als Staunässe. Sobald sich Blüten und erste Früchte bilden, steigt der Wasserbedarf. Gieße dann regelmäßiger, damit die Schoten gut anschwellen und die Erbsen prall werden. Zu wenig Wasser in dieser Phase führt zu Blütenabfall und mageren Erträgen.
Ein häufig zu beobachtender Fehler: Gießen direkt nach der Aussaat ist weniger entscheidend als gedacht. Wenn der Boden noch Restfeuchte aus dem Winter hat, keimen Erbsen auch ohne zusätzliches Gießen zuverlässig.
Düngung
Erbsen gehören zu den Leguminosen, den Hülsenfrüchtlern. Über spezielle Knöllchenbakterien an den Wurzeln können sie Stickstoff aus der Luft binden und selbst nutzen. Das bedeutet: Du sparst dir den Stickstoffdünger komplett. Im Gegenteil, zu viel Stickstoff im Boden würde eher schaden als nützen.
Wer den Boden im Herbst oder Frühjahr mit reifem Kompost verbessert hat, muss gar nichts weiter tun. Die Erbsen versorgen sich selbst und hinterlassen den Boden nach der Ernte sogar stickstoffreicher als zuvor.
Tipp: Schneide die Pflanzen nach der Ernte knapp über dem Boden ab und lasse die Wurzeln im Boden. Die Knöllchenbakterien an den Wurzeln verrotten und geben gespeicherten Stickstoff an die nächste Folgekultur ab.
Unkraut und Rankhilfe
Halte das Beet regelmäßig unkrautfrei. Das Hacken lockert gleichzeitig den Boden, was den Wurzeln zugutekommt.
Die wichtigste Pflegemaßnahme bei den meisten Erbsensorten ist das rechtzeitige Aufstellen einer Rankhilfe. Installiere sie, sobald die Pflanzen ca. 10 cm groß sind. Wartest du zu lange, verhaken sich die Ranken ineinander und du kommst schwer an die Triebe. Hoch wachsende Sorten benötigen Unterstützung bis ca. 1,5 m.
Geeignete Materialien für die Rankhilfe:
- Hasendraht oder Maschendraht
- Estrichgitter-Platten (günstig im Baumarkt)
- Reisig oder dünne Holzstäbe (Erbsen haften daran besser als an Metallstäben, die sich im Sommer stark erhitzen)
Am Hochbeet kannst du Erbsen auch am Rand aussäen und die Ranken nach unten wachsen lassen. So sind die Schoten gut erreichbar, auch für Kinderhände.
Häufige Probleme und Lösungen
Echter Mehltau
Der häufigste Widersacher beim Erbsenanbau ist der Echte Mehltau, ein Pilz, der sich als weißlicher mehliger Belag auf den Blättern zeigt. Er tritt vor allem bei warmen, trockenen Bedingungen im Frühsommer auf, besonders bei später Aussaat.
Vorbeugung: Säe früh (Ende März bis Anfang April), wähle mehltauresistente Sorten und sorge für gute Luftzirkulation durch ausreichende Abstände zwischen den Reihen. Ein zu geschützter, windstiller Standort fördert den Befall.
Erbsenwickler
Der Erbsenwickler ist ein kleiner Schmetterling, dessen Larven die Erbsensamen befallen. Du findest dann Maden in den Hülsen, was zwar unangenehm ist, aber eher selten vorkommt. Der Schädling überwintert in der Erde.
Vorbeugung: Entferne nach der Ernte alle Pflanzenreste vom Beet. Kulturschutznetze schützen die Blüten vor der Eiablage. Auch eine frühe Aussaat kann helfen, da die Hauptflugzeit des Wicklers meist auf den Hochsommer fällt. Ringelblumen als Mischkulturpartner wirken abschreckend auf den Schädling.
Vogelfraß an Keimlingen
Besonders in den ersten Tagen nach dem Auflaufen sind junge Erbsenkeimlinge für Vögel attraktiv. Ein einfaches Vogelnetz über das Beet schützt die Jungpflanzen bis sie ca. 10 cm groß und stabil genug sind.
Blattläuse
Gelegentlich siedeln sich Blattläuse an den Triebspitzen an. Befallene Triebe einfach abschneiden und kompostieren. Starker Befall lässt sich mit einem kräftigen Wasserstrahl bekämpfen.
Tipp: Pflanze Ringelblumen oder Dill in der Nähe der Erbsen. Diese Kräuter locken Nützlinge wie Schwebfliegen an, die Blattläuse fressen, und halten den Erbsenwickler auf Distanz.
Mischkultur: Gute und schlechte Nachbarn
Erbsen sind gesellige Pflanzen und vertragen sich mit vielen Gemüsesorten im Beet.
Gute Mischkulturpartner:
- Salate, Radieschen, Spinat, Dill
- Möhren, Kohlrabi, Kohl
- Stangensellerie, Fenchel, Mangold
- Ringelblumen (als Schutzpflanze)
Keine guten Nachbarn:
- Bohnen (gleiche Schäden wie Erbsen bei Schädlingen)
- Zwiebeln, Lauch, Knoblauch (hemmen das Wachstum)
- Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Auberginen
Gute Nachkultur: Wenn die Erbsen im Sommer abgeerntet sind, können ab Juli Gurken als Folgekultur ins Beet. Sie profitieren vom stickstoffreichen Boden, den die Erbsen hinterlassen haben.
Ernte und Lagerung
Wann und wie ernten?
Die Erbsen sind erntereif, wenn du die Körner durch die Hülse hindurch deutlich fühlen kannst und die Hülsen prall anzufassen sind. Probe die beste Methode: Einfach eine Erbse direkt kosten. Sie sollte süß und saftig sein, nicht stärkehaltig-mehlig.
Plane 2-3 Erntedurchgänge ein, denn die Früchte reifen nicht alle gleichzeitig. Geh alle zwei bis drei Tage durch das Beet und ernte konsequent. Das ist keine Mehrarbeit, sondern stimuliert die Pflanze zur weiteren Produktion: Regelmäßiges Ernten regt den Neuansatz von Blüten und Früchten an.
Zuckererbsen (Schoten) kannst du schon ernten, wenn die Körner darin noch klein und zart sind. Je jünger die Schote, desto süßer und knackiger der Geschmack. Lässt du sie zu lang am Strauch, werden die Schoten faserig.
Erträge realistisch einschätzen
Auf ca. 7-8 Meter Doppelreihe kannst du mit etwa 5-6 kg Erbsen (ohne Hülsen) rechnen. Das klingt nach viel, aber das Aushülsen ist zeitaufwendig: Plane für die gesamte Ernte einer solchen Reihe gut 4-6 Stunden ein, wenn du die Körner aus den Schoten lösen möchtest. Zuckererbsen entfallen dieser Aufwand komplett, da du die Schoten mit isst.
Lagern und Einfrieren

Frische Erbsen sind nicht lange haltbar; sie sollten möglichst schnell nach der Ernte verarbeitet werden. Zum Einfrieren die Erbsenkörner aus den Hülsen lösen und ohne Vorkochen einfrieren: So bleiben Geschmack und Nährstoffe optimal erhalten.
Zuckererbsen-Schoten lassen sich ebenfalls einfrieren oder kurz in der Pfanne anbraten. Auch die Blüten der Erbspflanze sind ein echter Genuss, roh über Salate gestreut oder als essbare Dekoration auf jedem Teller.
Wer Saatgut gewinnen möchte, lässt einige Schoten vollständig überreifen und trocknen am Strauch. Die getrockneten Erbsen können im nächsten Jahr als Saatgut verwendet werden.
FAQ
Wann genau sind Erbsen erntereif?
Je nach Sorte und Witterung etwa 2-4 Monate nach der Aussaat. Markerbsen brauchen etwas länger als Zucker- oder Schalerbsen. Der zuverlässigste Test: Eine Erbse direkt aus der Hülse probieren. Sie ist erntereif, wenn sie süß schmeckt und die Hülsen prall und fest anzufassen sind.
Müssen Erbsen gedüngt werden?
Nein. Als Leguminosen fixieren Erbsen Stickstoff aus der Luft und versorgen sich selbst. Eine Stickstoffdüngung würde mehr schaden als nützen. Wenn der Boden humusreich ist, reicht das vollständig aus. Wer möchte, kann im Herbst etwas reifen Kompost einarbeiten.
Können Erbsen im Topf oder auf dem Balkon wachsen?
Ja, grundsätzlich schon. Der Topf sollte mindestens 30 cm tief sein und Abflusslöcher haben, um Staunässe zu verhindern. Da das Erdvolumen begrenzt ist, musst du häufiger gießen als im Beet. Für den Balkon eignen sich niedrigwüchsige Sorten am besten. Der Ertrag fällt geringer aus als im Freiland, macht aber trotzdem Freude.
Wie lange darf ich Erbsen am selben Standort anbauen?
Erbsen sind stark selbstunverträglich: Am selben Standort sollte mindestens eine Pause von 5 Jahren eingehalten werden, besser 6 Jahre oder länger. Bei kürzeren Pausen häufen sich Pilzkrankheiten und Schädlinge im Boden.
Fazit
Erbsen sind ein dankbares Gemüse, das schon früh im Jahr in den Garten kommt und mit wenig Aufwand eine zufriedenstellende Ernte bringt. Das frühe Aussäen Ende März ist der entscheidende Trick für eine erfolgreiche Saison: So nutzt du die kühle Jahreszeit optimal, reduzierst das Mehltau-Risiko und hast lange Freude an frischen Früchten. Mit der richtigen Rankhilfe, gelegentlichem Gießen und mehreren Erntedurchgängen wirst du deine Erwartungen übertreffen. Starte jetzt mit der Aussaat und entdecke, warum Erbsen seit Jahrtausenden zum festen Bestandteil des Gartens gehören.
