Kichererbsen selbst anbauen: So klappt es auch in Deutschland
Kichererbsen gelten als Importware aus Indien oder dem Mittelmeerraum, dabei wachsen sie überraschend gut im heimischen Garten. Du brauchst keinen Sonderstandort, keine teuren Dünger und kein gärtnerisches Vorwissen. Was du brauchst: einen sonnigen Platz, lockeren Boden und etwas Geduld bis zur Ernte im Spätsommer. Dieser Ratgeber zeigt dir alles, was du für eine erfolgreiche Kichererbsen-Ernte brauchst.
Das Wichtigste in Kürze

- Aussaat: Voranzucht ab Mitte März; Freiland ab Ende April bis Mitte Mai (nach den Eisheiligen)
- Standort: Vollsonnig, mindestens 6 Stunden Sonne täglich; warme, geschützte Lage
- Boden: Locker, sandig-lehmig, durchlässig; Staunässe ist der größte Feind
- Kulturdauer: ca. 100 Tage von der Aussaat bis zur Ernte
- Pflege: Kaum Wasser nötig; kein Dünger erforderlich dank Stickstoffbindung
- Ernte: Ende August bis September; wenn Schoten braun und trocken sind
- Fruchtfolge: Mindestens 5 Jahre Pause bevor Kichererbsen wieder an dieselbe Stelle kommen
Die besten Sorten für den Heimgarten
Im Handel begegnen dir zwei grundlegende Typen: Kabuli und Desi.
Kabuli-Kichererbsen sind die großen, beigen, runden Körner, die wir aus dem Supermarkt kennen. Sie sind milder im Geschmack, etwas größer und im mitteleuropäischen Raum am weitesten verbreitet. Wer zum ersten Mal Kichererbsen anbaut, fängt meist mit dem Kabuli-Typ an.
Desi-Kichererbsen sind kleiner, dunkler und haben eine rauere Schale. Weltweit werden sie deutlich häufiger angebaut als der Kabuli-Typ, vor allem in Indien. Der Desi-Typ gilt als trockentoleranter und ertragsstabiler, was ihn für trockene Sommer und leichte Böden besonders interessant macht.
Für Sortenversuche in österreichischen und bayerischen Klimazonen haben sich beide Typen gut entwickelt. Wenn du in einer trockenen Region wohnst oder einen leichten Sandboden hast, lohnt ein Versuch mit dem Desi-Typ.
Tipp: Du brauchst kein teures Spezialsaatgut. Getrocknete Kichererbsen aus dem Supermarkt (ungeröstet!) eignen sich genauso gut als Saatgut. Weiche sie vorab ein und pflanze sie ein. Die Keimrate ist in der Regel gut.
Wann solltest du Kichererbsen säen?
Kichererbsen brauchen vom Aufgang bis zur reifen Ernte etwa 100 Tage. Das ist mehr als bei einer Buschbohne, aber weniger als bei einer Tomate. In Mitteleuropa musst du deshalb früh genug starten.
Voranzucht im Haus (empfohlen): Starte ab Mitte März bis Ende April in Anzuchttöpfen. Die Jungpflanzen kommen dann Ende April bis Mitte Mai ins Freiland, wenn kein Frost mehr droht.
Direktsaat ins Beet: Möglich ab Ende April im milden Westen und Süden Deutschlands. In kälteren Lagen oder bei unsicherem Frühling erst ab Mitte Mai, nach den Eisheiligen (11.-15. Mai).
Kichererbsen vertragen keinen Frost. Wenn die Prognose noch Nächte unter 0°C zeigt, warte lieber noch eine Woche. Einen frostfreien Standort für die Voranzucht findest du auf jeder sonnigen Fensterbank.
| Region | Voranzucht | Freiland-Aussaat |
|---|---|---|
| Weinbaulagen, Rheinhessen, Franken | Ab Mitte März | Ab Ende April |
| Norddeutschland, Mittelgebirge | Ab Ende März | Ab Mitte Mai |
| Allgemein (sichere Variante) | Ab Ende März | Nach den Eisheiligen |
Aussaat Schritt für Schritt
Standort wählen
Wähle den wärmsten und sonnigsten Platz im Garten. Ein nach Süden ausgerichtetes Beet, eine Mauer im Rücken oder ein Hochbeet mit sandigem Substrat sind ideal. Kichererbsen kommen von Natur aus aus trockenen, warmen Regionen. Je mehr du diese Bedingungen nachahmst, desto besser wird die Ernte.
Schwere, lehmige oder feuchte Böden sind ungeeignet. Sie lassen sich aber verbessern: Mische reichlich Sand oder feinen Kies unter die oberen 20 cm Erde. Auch ein Hochbeet löst das Problem schnell, weil du dort die Bodenstruktur vollständig kontrollieren kannst.
Saatgut vorbereiten
Weiche die Kichererbsen vor der Aussaat 12 Stunden in Wasser ein. Sie quellen dabei deutlich auf. Das erleichtert die Keimung und verkürzt die Zeit bis zum Aufgang.
Voranzucht (Mitte März bis Ende April)
- Je ein bis zwei Kichererbsen in einen Anzuchttopf (ca. 8 cm Durchmesser) setzen, 2-4 cm tief
- Anzuchterde verwenden oder leicht sandige, durchlässige Erde
- Substrat gleichmäßig feucht halten, aber nicht nass
- Topf auf eine sonnige Fensterbank bei 20-25°C stellen
- Keimlinge erscheinen nach 1-2 Wochen
- Auspflanzen wenn Pflanzen mindestens 10 cm hoch sind und kein Frost mehr droht
Direktsaat ins Freiland (Ende April bis Mitte Mai)
- Boden locker hacken, Unkraut entfernen
- Reihen mit 30 cm Abstand ziehen
- Eingeweichte Samen 5-8 cm tief einlegen
- 15-20 cm Abstand zwischen den Pflanzen in der Reihe
- Erde andrücken und einmalig gründlich angießen
Achtung: Tauben und andere Vögel fressen die frischen Keimlinge gerne. Decke das Beet in den ersten Wochen mit einem feinmaschigen Gemüseschutznetz ab. Grobes Maschennetz ist keine Option, weil sich Vögel darin verfangen.
Topfanbau auf dem Balkon
Kichererbsen lassen sich gut im Topf kultivieren. Du brauchst einen Behälter mit mindestens 10 Litern Fassungsvermögen, besser 15-20 Liter. Lege eine Drainageschicht aus Blähton in den Boden und verwende lockere, sandige Erde. Stelle den Topf an den sonnigsten Platz deines Balkons.
Pflege: Gießen, Düngen, Unkraut
Wässerung
Kichererbsen kommen aus Trockenregionen und brauchen wenig Wasser. Während der Keimphase hältst du das Substrat gleichmäßig feucht. Sobald die Pflanzen eingewurzelt sind, gießt du nur noch bei anhaltender Hitze und ausgeprägter Trockenheit.
Das Prinzip: lieber selten, aber dann gründlich bis zur Wurzelzone, statt täglich ein bisschen. Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Stroh hält die Feuchtigkeit im Boden und reduziert den Gießbedarf weiter.
Zu viel Wasser ist schlimmer als zu wenig. Staunässe fördert Wurzelfäule und Schimmel. Wenn nach Starkregen Wasser auf dem Beet steht, lockere die Erde um die Pflanzen herum auf.
Düngung
Kichererbsen sind Leguminosen und bilden eine Symbiose mit stickstoffixierenden Knöllchenbakterien an ihren Pfahlwurzeln. Sie decken ihren Stickstoffbedarf selbst aus der Luft. Zusätzlicher Stickstoffdünger ist überflüssig und schadet sogar, weil er die Bakterien-Symbiose hemmt.
Ein bisschen Kompost beim Einpflanzen reicht vollkommen. Wer möchte, kann im Hochsommer einmalig etwas Holzasche streuen, um Kalium und Spurenelemente zu ergänzen. Mehr braucht es nicht.
Tipp: Kichererbsen hinterlassen den Boden stickstoffreicher als sie ihn vorgefunden haben. Plane danach eine Kultur mit höherem Nährstoffbedarf: Kohl, Spinat oder Zucchini profitieren von Kichererbsen als Vorkultur.
Unkraut
In der Anfangsphase sind Kichererbsen langsam. Halte das Beet in den ersten vier bis sechs Wochen sauber, damit Unkräuter nicht konkurrieren. Danach schließen die Pflanzen den Bestand, und der Pflegeaufwand sinkt deutlich.
Häufige Probleme und Lösungen
Schlechte Keimung
Ursache: Zu kalter Boden, zu tiefe Aussaat, trockenes Substrat oder geröstete Kichererbsen als Saatgut.
Lösung: Boden muss mindestens 10°C warm sein. Samen 12 Stunden vorquellen. Saatgut maximal 8 cm tief. Nur ungeröstete Kichererbsen verwenden.
Fusarium-Welke
Ursache: Pilzbefall, begünstigt durch nasse, verdichtete Böden und fehlende Fruchtfolge.
Lösung: Lockerer, durchlässiger Boden ist die beste Vorbeugung. Mindestens 5 Jahre Anbaupause einhalten. Befallene Pflanzen sofort entfernen und nicht kompostieren.
Blattläuse
Ursache: Gelegentlicher Befall, besonders bei schwachen Pflanzen oder stickstoffreichem Boden.
Lösung: Starken Wasserstrahl verwenden um Kolonien abzuspülen. Marienkäfer und Florfliegen sind natürliche Feinde, die du aktiv fördern kannst. Chemische Mittel sind bei Kichererbsen in der Regel unnötig.
Tauben fressen die Keimlinge
Ursache: Tauben und Krähen mögen frische Leguminosen-Keimlinge.
Lösung: Feinmaschiges Gemüseschutznetz über das Beet legen, sobald die Samen gesät sind. Sobald die Pflanzen kräftig und 15-20 cm hoch sind, verlieren Vögel das Interesse.
Schimmel und nasse Schoten kurz vor der Ernte
Ursache: Nässe und Regen während der Abreife im August/September können Schimmel auf den Hülsen verursachen.
Lösung: Wenn die Wettervorhersage mehrtägigen Regen ankündigt und die Schoten schon anfangen zu trocknen, ernte die ganzen Pflanzen frühzeitig. Trockne sie anschließend an einem luftigen, überdachten Platz nach. Das funktioniert gut und rettet die Ernte.
Ernte und Lagerung

Kichererbsen lassen sich auf zwei Arten ernten: grün oder trocken.
Grüne Ernte (frisch)
8-12 Wochen nach der Aussaat sind die Hülsen grün und die Samen noch weich. Frische Kichererbsen schmecken mild und nussig. Sie lassen sich kurz blanchieren und direkt in Salaten oder Gemüsegerichten verwenden. Diese Ernteform ist in Mitteleuropa wenig bekannt, lohnt sich aber als Abwechslung.
Trockene Ernte (Lager- und Kochkichererbsen)
Das ist die klassische Ernte für Hummus, Falafel und Currys.
- Warte bis die Schoten braun und trocken sind und beim Schütteln rascheln
- Schneide die ganze Pflanze ab
- Trockne sie noch einige Tage an einem luftigen Ort nach
- Öffne die Schoten von Hand und löse die Samen heraus
- Trockene Schoten lassen sich noch einfacher knacken als frische
Wenn alle Schoten trocken sind, geht das Ausbrechen schnell von der Hand. Ein geselliger Abend mit der Familie macht die Arbeit angenehm.
Ertrag: Eine einzelne Kichererbsenpflanze liefert in einem guten Jahr genug für eine bis zwei Mahlzeiten nach dem Einweichen. Für eine nennenswerte Menge brauchst du eine Reihe von 8-10 Pflanzen.
Lagerung
Getrocknete Kichererbsen sind sehr lagerstabil. Du kannst sie 4-5 Jahre bei kühlen, trockenen und dunklen Bedingungen aufbewahren. Als Saatgut für die nächste Saison bleiben sie 2-3 Jahre keimfähig.
Zubereitung: Kichererbsen über Nacht einweichen, dann 60-90 Minuten kochen. Roh essen ist nicht möglich: Ungekochte Kichererbsen enthalten Phasin und Saponin, natürliche Abwehrstoffe, die durch Kochen oder Keimen vollständig abgebaut werden.
FAQ
Kann ich Kichererbsen aus dem Supermarkt als Saatgut verwenden?
Ja, das funktioniert sehr gut. Die Voraussetzung: Die Kichererbsen müssen ungeröstet und unbehandelt sein. Geröstete oder mit Salz gewürzte Kichererbsen keimen nicht. Trockene Packware aus dem Naturkosthandel oder dem Bio-Supermarkt ist fast immer geeignet.
Brauchen Kichererbsen viel Wasser?
Nein. Im Gegenteil: Kichererbsen kommen aus trockenen Regionen und vertragen Trockenheit gut. Zu viel Wasser und Staunässe sind die größten Risikofaktoren. Gieße nur bei längerer Hitze und Trockenheit, und dann gründlich, nicht täglich ein bisschen.
Wie viel Ertrag kann ich erwarten?
Das hängt stark vom Sommer ab. In einem warmen, sonnigen Jahr liefert eine Pflanze genug für 1-2 Mahlzeiten (nach dem Einweichen). In einem kühlen oder verregneten Sommer fällt der Ertrag geringer aus. Für eine spürbare Ernte empfehlen sich mindestens 8-10 Pflanzen in einer Reihe.
Was mache ich, wenn der Sommer nass wird?
Beobachte die Schoten genau. Wenn sie sich bräunen und zu trocknen beginnen, ernte die Pflanzen frühzeitig bei angekündigtem Dauerregen. Lege sie dann unter Dach (z.B. im Schuppen oder auf einem überdachten Balkon) zum Nachtrocknen aus. So vermeidest du Schimmel.
Muss ich Kichererbsen düngen?
Nein. Als Leguminose bindet die Kichererbse Stickstoff aus der Luft und braucht keinen Stickstoffdünger. Ein bisschen Kompost beim Einpflanzen reicht. Zu viel Dünger macht die Pflanze anfällig für Blattläuse und hemmt die wertvolle Bakterien-Symbiose.
Fazit
Kichererbsen im eigenen Garten anzubauen ist einfacher als viele denken. Du brauchst keinen Spezialstandort und keinen Mehraufwand bei der Pflege. Der wichtigste Faktor ist Sonne, der zweitwichtigste ein gut drainierter Boden. Halte Nässe fern und du hast den größten Risikofaktor bereits ausgeschaltet.
Fang mit einer kleinen Reihe von 6-10 Pflanzen an. So lernst du den Rhythmus der Pflanze kennen, ohne gleich ein ganzes Beet zu riskieren. Mit jedem Jahr wirst du ein besseres Gefühl dafür entwickeln, wann die Ernte bereit ist und welche Sorte an deinem Standort am besten gedeiht.
Probiere es in der nächsten Saison aus: Kaufe eine Packung getrocknete Kichererbsen aus dem Bioladen, weiche sie eine Nacht ein, und pflanze sie im Mai ins Beet. Die Ernte im Herbst schmeckt nochmal besser, wenn du weißt, dass sie aus dem eigenen Garten kommt.
