Kohlschwärze am Blumenkohl erkennen und stoppen
Dein Blumenkohl sieht gut aus, aber plötzlich tauchen braune Flecken mit konzentrischen Ringen auf den Blättern auf. Dann ist Vorsicht geboten: Es könnte Kohlschwärze sein, eine weit verbreitete Pilzkrankheit, die alle Kohlpflanzen befallen kann. Die Krankheit ist nicht nur ärgerlich, weil sie die Ernte ruiniert, sondern auch gesundheitlich relevant: Befallenes Gemüse darf nicht gegessen werden. Mit dem richtigen Wissen erkennst du die Krankheit früh, weißt wann du handeln musst und schützt dein Beet langfristig.
Das Wichtigste in Kürze
- Kohlschwärze wird durch die Pilze Alternaria brassicae und A. brassicicola verursacht und befällt alle Kreuzblütler
- Erkennungszeichen: graubraune, runde Blattflecken mit konzentrischen Ringen, 5–25 mm groß, mit gelblichem Hof
- Infektionsvoraussetzung: Blattnässe mindestens 5 Stunden oder Luftfeuchtigkeit über 95%
- Befallener Blumenkohl und Brokkoli darf wegen giftiger Mykotoxine nicht verzehrt werden
- Die wichtigste Vorbeugung: mindestens 3 Jahre keine Kreuzblütler auf demselben Beet
- Bei Befallsbeginn sofort befallene Blätter entfernen und über Hausmüll entsorgen, nicht kompostieren
- Kupferhaltige Präparate sind bei starkem Befall im Ökolandbau zugelassen
Symptome richtig erkennen

Wer Kohlschwärze früh entdecken will, muss wissen, wie sie aussieht. Die ersten Anzeichen erscheinen meist an den älteren, unteren Blättern. Dort bilden sich zunächst kleine dunkle Flecken von 1–3 mm Durchmesser, die sich innerhalb weniger Tage zu runden, graubraunen Flecken von 5–25 mm vergrößern.
Das charakteristischste Merkmal sind die konzentrischen Ringe innerhalb der Flecken, die dem Befall ein zielscheibenartiges Aussehen geben. Oft ist der Fleck von einem gelblichen Hof umgeben, einem sogenannten Chlorosebereich, der durch die Mykotoxine des Pilzes entsteht. Bei feuchtem Wetter bildet sich ein schwarzer, samtartiger Belag auf den Flecken, das sind die Sporenträger des Pilzes.
Im weiteren Verlauf werden die Flecken spröde und reißen auf, das Blattgewebe fällt heraus. Die Blätter vergilben zunehmend und sterben ab. Bei starkem Befall fallen die Blätter komplett ab.
Befall an Blüten: Wenn Blumenkohl oder Brokkoli betroffen sind, zeigen sich zunächst kleine schwarze Punkte auf dem Köpfchen, später braune Flecken. Das Problem dabei: Der Pilz dringt tief in den Fruchtkörper ein. Das unsichtbare Myzel im Inneren macht den gesamten Kopf ungenießbar, selbst wenn man befallene Stellen herausschneidet.
Unterschied zu anderen Kohlkrankheiten: Adernschwärze, eine Bakterienkrankheit, zeigt Verfärbungen entlang der Blattadern, während Falscher Mehltau einen weißlich-grauen Belag auf Blattunterseiten bildet. Das Zielscheibenmuster der Kohlschwärze ist dagegen unverwechselbar.
Ursachen und Ausbreitung
Zwei verschiedene Pilze verursachen das Krankheitsbild: Alternaria brassicae und Alternaria brassicicola. Beide gehören zu den Schlauchpilzen und befallen alle Kreuzblütler, also Kohl in allen Formen, Radieschen, Rettich, Senf und auch Raps.
A. brassicae bevorzugt Temperaturen von 21–28 °C und dominiert daher in Mitteleuropa. A. brassicicola braucht 28–31 °C und kommt in wärmeren Regionen häufiger vor. Bei zunehmend wärmeren Sommern könnte A. brassicicola auch bei uns relevanter werden.
Infektionsbedingungen: Der Pilz keimt, sobald die Blätter mindestens 5 Stunden lang nass sind oder die Luftfeuchtigkeit über 95% steigt. Abendliches Gießen über Kopf ist deshalb besonders riskant, das Laub bleibt die Nacht über feucht. Ein Wechsel von feuchtem, kühlem zu warm-trockenem Wetter beschleunigt die Ausbreitung zusätzlich, weil dann massenhaft neue Sporen gebildet werden.
Verbreitung auf vier Wegen:
- Wind: Sporen werden über große Distanzen verbreitet
- Wasserspritzer: Regen und Bewässerung spritzen Sporen auf benachbarte Blätter
- Saatgut: Der Pilz kann im Samen stecken, externe oder interne Belastung ist möglich
- Werkzeuge: Scheren oder Hacken können Sporen von Beet zu Beet schleppen
Der Pilz ist ein sogenannter fakultativer Parasit: Er überlebt nicht nur auf lebenden Pflanzen, sondern auch auf Pflanzenresten im Boden und auf Kompost. Wer befallene Blätter auf dem Beet liegen lässt, schafft ein Reservoir für die nächste Saison.
Besonders anfällig für Kohlschwärze sind Chinakohl, Blumenkohl und Brokkoli. Rosenkohl und die verschiedenen Kopfkohlarten werden ebenfalls befallen, wenn auch häufig weniger stark.
Auch Jungpflanzen und Keimlinge sind nicht geschützt. Wenn Saatgut intern mit dem Pilz belastet ist, können schon wenige Tage nach dem Auflaufen die ersten Schadenssymptome auftreten. Solche Auflaufschäden lassen sich oft schwer von anderen Ursachen unterscheiden, weshalb gesundes, zertifiziertes Saatgut besonders wichtig ist. Der Pilz überdauert außerdem in alten Ernterückständen für mehrere Saisons, selbst wenn das Pflanzenmaterial trocken erscheint.
Vorbeugen: So schützt du deine Pflanzen
Vorbeugung ist das wirksamste Mittel gegen Kohlschwärze. Wer die Rahmenbedingungen richtig setzt, hält den Pilz auf Abstand, ohne überhaupt aktiv eingreifen zu müssen.
Fruchtfolge konsequent einhalten
Die wichtigste Maßnahme: Auf einem Beet, auf dem Kohl oder andere Kreuzblütler wuchsen, solltest du mindestens 3 Jahre lang keine Vertreter dieser Familie mehr anbauen. Das gilt nicht nur für Blumenkohl, Brokkoli und Kohl aller Art, sondern auch für Radieschen, Kohlrabi, Meerrettich und Kapuzinerkresse. Wer als Gründüngung Senf oder Ölrettich einsät, verlängert damit das Sporenpotenzial im Boden, Kreuzblütler als Gründüngung daher auf betroffenen Flächen vermeiden.
Gesundes Saatgut und resistente Sorten
Alternaria überträgt sich über Saatgut. Verwende daher nur zertifiziertes, gesundes Saatgut aus seriösen Quellen. Wer eigenes Saatgut ziehen möchte, kann befallenes Saatgut mit einer Heißwasserbehandlung sanieren: 50 °C, 20–30 Minuten, mit anschließend sofortiger Abkühlung im Kaltwasserbad. Da Kohlsaatgut empfindlich auf Hitze reagiert, solltest du diese Methode zuerst an einer kleinen Menge testen.
Beim Sortenkauf gilt: Resistente oder tolerante Sorten wählen, wenn verfügbar. Für Chinakohl sind beispielsweise Chorus F1 und Monument F1 bekannt für ihre geringere Anfälligkeit. Frage beim Saatguthändler gezielt nach der Resistenz gegenüber Alternaria.
Pflanzabstand und Bewässerung
Kohl eng zu pflanzen spart zwar Platz, erhöht aber das Risiko deutlich. Gute Luftzirkulation hält das Laub trockener, und trockenes Laub bietet dem Pilz kaum Angriffsfläche. Richte dich beim Pflanzabstand nach den Herstellerangaben des jeweiligen Saatguts, und wähle im Zweifelsfall lieber etwas mehr Abstand.
Tipp: Gieße morgens, nicht abends. So trocknet das Laub im Laufe des Tages ab, statt die ganze Nacht feucht zu bleiben. Vermeide Überkopfbewässerung, besonders wenn die Köpfe von Blumenkohl oder Brokkoli bereits ausgebildet werden.
Nährstoffversorgung im Gleichgewicht halten
Zu viel Stickstoff macht Pflanzen weicher und anfälliger für Pilzinfektionen. Eine ausgewogene Düngung, die den tatsächlichen Bedarf der Pflanze trifft, stärkt die natürliche Abwehr. Kohl ist zwar ein Starkzehrer, braucht aber keinen Stickstoffüberschuss, sondern eine gleichmäßige Versorgung über die gesamte Wachstumsperiode.
Pflanzenhygiene
Reinige Werkzeuge zwischen den Beeten, besonders wenn du in betroffene Bereiche gearbeitet hast. Scheren, Hacken und Handschuhe können Sporen transportieren. Ein kurzes Abwischen oder Desinfizieren reicht aus, um die Übertragung zu unterbinden.
Halte Abstand zwischen Raps- oder Kohlfeldern in der näheren Umgebung, falls du in einem ländlichen Bereich gärtnert. Raps ist ebenfalls Wirt für Alternaria und kann als Sporenquelle fungieren.
Behandeln: Was hilft bei Befall?
Erste Maßnahme: Sofort entfernen
Sobald du die ersten Anzeichen siehst, handele sofort. Entferne alle befallenen Blätter vollständig und großzügig: Lieber einen gesunden Rand mitentfernen als zu knapp schneiden. Befallene Blätter gehören in den Hausmüll, nicht auf den Kompost, da Alternaria-Sporen im Komposthaufen gut überleben können und später wieder ausgebracht werden.
Entsorge auch stark befallene Gesamtpflanzen vollständig. Bei Blumenkohl- oder Brokkoliköpfen mit sichtbaren schwarzen Punkten: Die gesamte Pflanze entsorgen. Einfaches Herausschneiden befallener Stellen ist keine sichere Lösung, da das Pilzmyzel unsichtbar tief im Gewebe steckt.
Wichtig: Befallenen Blumenkohl oder Brokkoli nicht essen. Alternaria bildet giftige Mykotoxine, die auch durch Kochen nicht zerstört werden. Das gesamte befallene Gemüse gehört in den Hausmüll.
Biologische Mittel
Schachtelhalmextrakt-basierte Pflanzenstärkungsmittel können präventiv oder bei sehr leichtem Befallsbeginn eingesetzt werden. Sie stärken die Zellwände der Pflanze und erschweren dem Pilz das Eindringen. Gieße oder sprühe sie entsprechend der Packungsanweisung.
Gesteinsmehl, fein gemahlen auf Blätter und Boden aufgestäubt, wirkt ebenfalls stärkend und kann die Ausbreitung etwas verlangsamen.
Kupferhaltige Präparate
Bei stärkerem Befall sind kupferhaltige Pflanzenschutzmittel eine wirksame Option, die auch im Ökolandbau eingesetzt werden. Die jährliche Höchstmenge liegt bei 3 kg Reinkupfer pro Hektar. Im Hobbygarten bedeutet das: sparsam einsetzen und die Gebrauchsanweisung genau einhalten. Kupfer ist kein Allheilmittel und bleibt im Boden, es sollte nur genutzt werden, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen.
Konventionelle Fungizide
Als letzte Option können zugelassene chemische Fungizide eingesetzt werden. Die aktuellen Zulassungen findest du im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Halte vor dem Kauf Rücksprache mit deinem Gartenfachhandel, welche Mittel für den Hobbygarten und für den Einsatz an Kohl zugelassen sind.
Nach dem Befall: Beet für die nächste Saison vorbereiten
Nach einer Befallssaison: Alle Ernterückstände konsequent entfernen und entsorgen. Bearbeite den Boden gründlich, um Sporenreservoirs zu reduzieren. Halte die mindestens 3-jährige Anbaupause ein und wähle für die nächste Kohlernte resistente Sorten.
Häufige Fehler und Lösungen
Befallene Blätter kompostieren: Alternaria-Sporen überleben im Kompost und kehren mit der nächsten Ausbringung aufs Beet zurück. Lösung: Hausmüll verwenden.
Nur ausschneiden und den Rest essen: Das Myzel des Pilzes ist im Inneren des Kohlkopfs nicht sichtbar. Lösung: Befallenen Blumenkohl oder Brokkoli vollständig entsorgen.
Kreuzblütler als Gründüngung nach Kohlschwärze-Befall: Senf, Ölrettich und ähnliche Pflanzen sind ebenfalls Wirte des Pilzes. Lösung: Nicht-Kreuzblütler als Gründüngung wählen, etwa Phacelia oder Buchweizen.
Abends gießen: Feuchtes Laub über Nacht ist die ideale Infektionsbedingung. Lösung: Morgens gießen, Tropfbewässerung am Boden nutzen.
Nur sichtbar befallene Stellen entfernen: Wer zu knapp schneidet, lässt Pilzsporen auf der Pflanze. Lösung: Großzügigen Sicherheitsabstand zum sichtbaren Befall einhalten.
Gleiche Kohl-Sorten nach Befall erneut pflanzen: Anfällige Sorten haben im infizierten Beet keine Chance. Lösung: Resistente Sorten bevorzugen und Standort wechseln.
Saatgut aus befallenen Pflanzen selbst ziehen: Wer Samen aus einer befallenen Pflanze gewinnt und im nächsten Jahr aussät, bringt den Pilz direkt ins Beet zurück. Lösung: Nach einem Befallsjahr ausschließlich zertifiziertes Saatgut aus sicherer Quelle verwenden.
FAQ
Kann man Kohl mit Kohlschwärze noch essen?
Nein. Alternaria bildet giftige Mykotoxine, die im befallenen Gewebe verbleiben, auch nach dem Kochen. Das Pilzmyzel dringt tief in den Fruchtkörper ein und ist von außen nicht vollständig entfernbar. Befallenes Gemüse gehört vollständig in den Hausmüll.
Sind Blumenkohl und Brokkoli gleich anfällig wie Weißkohl?
Blumenkohl und Brokkoli gelten als besonders anfällig, weil die dichte Blütenstruktur Feuchtigkeit speichert und dem Pilz gute Eintrittsbedingungen bietet. Chinakohl ist ebenfalls sehr anfällig. Rosenkohl und Kopfkohlarten werden befallen, zeigen aber häufig einen etwas milderen Verlauf.
Hilft Hausmittel wie Backpulver oder Milch gegen Kohlschwärze?
Diese Hausmittel sind bei Echtem Mehltau dokumentiert, aber bei Kohlschwärze (Alternaria) gibt es keine belastbaren Hinweise auf Wirksamkeit. Besser geeignet sind Schachtelhalmextrakt, Gesteinsmehl oder bei starkem Befall Kupferpräparate.
Kann die Kohlschwärze auch auf andere Pflanzen im Garten überspringen?
Alternaria brassicae und A. brassicicola befallen ausschließlich Kreuzblütler (Brassicaceae). Tomaten, Kartoffeln oder Gurken sind daher nicht gefährdet. Radieschen, Kohlrabi, Meerrettich und alle anderen Kohl- und Senfpflanzen sind jedoch ebenfalls anfällig.
Wann ist der beste Zeitpunkt, um Kohl anzupflanzen, um Kohlschwärze zu vermeiden?
Die Krankheit tritt bevorzugt im Sommer und Herbst auf, wenn Temperaturen zwischen 21 und 31 °C und hohe Luftfeuchtigkeit zusammenkommen. Frühkohl, der vor der hauptsächlichen Feuchtperiode geerntet wird, ist weniger gefährdet. Für Herbstkohl gilt: Sorten mit guter Alternaria-Resistenz bevorzugen und auf ausreichenden Pflanzabstand achten.
Fazit
Kohlschwärze lässt sich mit der richtigen Strategie gut in den Griff bekommen. Die drei wirksamsten Hebel sind: konsequente Fruchtfolge mit mindestens 3 Jahren Pause, gesundes Saatgut und ausreichend Pflanzabstand für gute Luftzirkulation. Wer zusätzlich morgens statt abends gießt und auf Stickstoffüberschuss verzichtet, reduziert das Risiko erheblich. Bei Befall schnell und gründlich reagieren, befallene Teile über den Hausmüll entsorgen und auf kupferhaltige Präparate zurückgreifen, wenn nötig. Plane für die nächste Saison resistente Sorten ein und wechsle den Standort, dann stehen die Chancen gut, dass dein Kohl künftig gesund und ertragreich wächst.
