Kohlweißling erkennen und bekämpfen
Du entdeckst weiße Schmetterlinge an deinem Kohlbeet und denkst dir nichts dabei? Dann solltest du genauer hinschauen. Der Kohlweißling gehört zu den hartnäckigsten Schädlingen im Gemüsegarten und kann eine ganze Kohlreihe innerhalb weniger Wochen bis auf die Rippen abfressen. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du den Schädling sicher erkennst, was seinen Lebenszyklus antreibt und welche Methoden bei Befall wirklich etwas bringen.
Das Wichtigste in Kürze
- Es gibt zwei Arten: den Großen Kohlweißling (Pieris brassicae) und den Kleinen Kohlweißling (Pieris rapae), beide richten erhebliche Schäden an Kohlpflanzen an
- Erste Falter fliegen ab April, die Saison reicht bis Oktober mit 2 bis 4 Generationen pro Jahr
- Ein Weibchen kann mehrere hundert Eier auf Blattunterseiten ablegen
- Nach der Eiablage schlüpfen die Raupen nach etwa 14 Tagen; die Fraßphase dauert 3 bis 4 Wochen
- Die einzige wirklich zuverlässige Vorbeugung sind engmaschige Kulturschutznetze mit maximal 2 mm Maschenweite
- Bei bestehendem Befall ist Bacillus thuringiensis (Bt) das wirksamste biologische Mittel
- Dunkle, runde Kotkügelchen auf Blättern sind ein sicheres Zeichen für Raupenbefall
So erkennst du den Kohlweißling
Der Schmetterling

Beide Arten sehen sich ähnlich: weiße bis cremefarbene Flügel mit grau-schwarzen Flecken auf den Vorderflügeln. Die Flügelspannweite erreicht beim Großen Kohlweißling bis zu 6,5 cm. Der Große Kohlweißling ist etwas gelblicher und hat stärker ausgeprägte schwarze Flecken. Wenn du weiße Schmetterlinge über deinen Kohlpflanzen flattern siehst, beginne sofort mit der Kontrolle der Blattunterseiten.
Die Eier
Die Eier sind leuchtend gelb, etwa 1 mm groß und werden ausschließlich auf den Unterseiten der Blätter abgelegt. Der Große Kohlweißling legt sie in Gruppen von 20 bis 100 Stück zusammen. Der Kleine Kohlweißling platziert seine Eier einzeln. Gelbe Punkte auf den Blattunterseiten sind deshalb das erste Warnsignal.
Die Raupen
Hier unterscheiden sich die beiden Arten deutlich:
Großer Kohlweißling: Die Raupen sind gelb-schwarz gemustert, behaart und werden bis zu 4 cm lang. Sie leben in Gruppen und sind gut sichtbar. Das auffällige "Leopardenkleid" macht sie leicht erkennbar.
Kleiner Kohlweißling: Die Raupen sind durchgehend hellgrün, maximal 2 cm lang und leben einzeln. Sie tarnen sich perfekt an der grünen Pflanze und sind sehr schwer zu finden. Diese Art wird auch "Herzwurm" genannt, weil die Raupen ins Innere von Kohlköpfen eindringen.
Sicherstes Erkennungszeichen: Kleine, dunkle, runde Kotkügelchen auf den Blättern zeigen an, dass Raupen vorhanden sind, auch wenn du sie nicht direkt siehst.
Lebenszyklus und Verhalten
Der Jahresverlauf
Der Kohlweißling ist von April bis Oktober aktiv und bringt in Deutschland 2 bis 4 Generationen hervor. Die erste Generation erscheint ab April und legt Eier, sobald Temperaturen und Wirtspflanzen passen. Die zweite Generation im Juni und Juli verursacht oft die größten Schäden, weil die Raupendichte dann am höchsten ist. Bis Oktober können weitere Generationen folgen, danach überwintern die Schmetterlinge im Puppenstadium.
Eiablage und Entwicklung
Ein Weibchen wählt gezielt Wirtspflanzen für die Eiablage aus: Es landet auf der Blattunterseite, prüft die Pflanze mit seinen Fühlerorganen und legt dann die Eier ab. Nach etwa 14 Tagen schlüpfen die Raupen. Sie fressen 3 bis 4 Wochen, bevor sie sich zur Puppe entwickeln. Die erste und die letzte Generation überwintern als Puppe.
Wirtspflanzen
Der Kohlweißling bevorzugt alle Kreuzblütler (Brassicaceae):
- Weißkohl, Rotkohl, Spitzkohl, Wirsing, Grünkohl, Palmkohl
- Blumenkohl, Brokkoli, Kohlrabi, Rosenkohl
- Lauch, Mangold, Spinat
Auch Kapuzinerkresse steht auf dem Speiseplan beider Arten. Wer viele dieser Pflanzen im Garten hat, schafft optimale Bedingungen für den Kohlweißling.
Tipp: Je mehr verschiedene Kreuzblütler du auf kleiner Fläche anbaust, desto attraktiver ist dein Garten für den Schmetterling. Eine Fruchtfolge, bei der du nicht jedes Jahr Kohl an die gleiche Stelle setzt, reduziert außerdem den Befallsdruck leicht, weil überwinterte Puppen in der Nähe nicht sofort auf Wirtspflanzen treffen.
Vorbeugen: Was wirklich hilft
Kulturschutznetze: Die einzige sichere Methode
Engmaschige Kulturschutznetze mit einer Maschenweite von maximal 2 mm sind die mit Abstand wirksamste Vorbeugemaßnahme. Das Prinzip ist simpel: Kein Schmetterling kommt an die Pflanze heran, also kann er keine Eier ablegen, also gibt es keine Raupen.
Damit das Netz wirkt, musst du auf folgende Punkte achten:
- Netz direkt nach dem Pflanzen anbringen, noch bevor die ersten Falter fliegen
- Das Netz muss sorgfältig am Boden fixiert werden, damit keine Lücken entstehen
- Keine Löcher oder Risse im Netz: ein einzelner Riss reicht, damit ein Weibchen schlüpft und Hunderte Eier ablegt
- Im Gewächshaus zusätzlich Türöffnungen mit Netz absichern
Tipp: Wenn du das Netz direkt im April spannst und erst zur Ernte abnimmst, brauchst du keine andere Methode. Die Mühe, das Netz korrekt zu befestigen, zahlt sich in jeder Saison aus.
Regelmäßige Sichtkontrolle
Ab Mai lohnt es sich, die Blattunterseiten mindestens einmal pro Woche zu kontrollieren. Gelbe Eiergelege (Großer Kohlweißling) fallen sofort auf und lassen sich einfach entfernen. Einzelne Eier des Kleinen Kohlweißlings sind schwerer zu finden, aber auch sie sind als gelbe Punkte erkennbar. Wer frühzeitig Eier findet und entfernt, verhindert den Schlupf der Raupen.
Früher Pflanztermin
Wer Kohl früh pflanzt, hat einen Vorteil: Die Pflanzen sind bereits weiter entwickelt, wenn die erste große Kohlweißling-Welle im Juni rollt. Große, kräftige Pflanzen verkraften Raupenbefall besser als junge Setzlinge.
Mischkulturen
Knollensellerie als Nachbarpflanze kann die Eiablage reduzieren. Auch Thymian, Salbei und Pfefferminze werden als Begleitpflanzen genannt. Wichtig zu wissen: Mischkulturen ersetzen keinen Netzschutz. In der Praxis haben Falter Eier direkt neben stark duftenden Pflanzen abgelegt. Mischkulturen sind eine sinnvolle Ergänzung, aber kein verlässlicher Schutz als alleinige Maßnahme.
Natürliche Feinde fördern
Schlupfwespen der Gattung Cotesia parasitieren Kohlweißling-Raupen und -Eier. Du kannst sie durch Insektenhotels und "wilde Ecken" mit Totholz in deinen Garten locken. Singvögel fressen die Raupen ebenfalls. Nistkästen und eine Wasserstelle erhöhen die Attraktivität deines Gartens für Vögel. Beide Maßnahmen wirken unterstützend, reichen aber allein selten aus, um starken Befall zu verhindern.
Bekämpfen: Methoden im Vergleich
Wenn Raupen bereits vorhanden sind, stehen dir mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die richtige Wahl hängt vom Ausmaß des Befalls ab. Diese Übersicht hilft dir bei der Entscheidung:
| Methode | Aufwand | Wirksamkeit | Am besten geeignet für |
|---|---|---|---|
| Bacillus thuringiensis (Bt) | Gering | Hoch | Mittlerer bis starker Befall |
| Manuelles Absammeln | Hoch | Mittel | Kleiner Befall, wenige Pflanzen |
| Schlupfwespen | Mittel | Begrenzt | Ergänzung zu anderen Maßnahmen |
| Natürliche Feinde fördern | Gering | Niedrig bis mittel | Langfristige Prävention |
| Hausmittel | Gering | Gering | Kein ernster Befall |
Bacillus thuringiensis (Bt)
Das wirksamste biologische Mittel bei bestehendem Befall ist ein Präparat auf Basis des Bakteriums Bacillus thuringiensis, kurz Bt. Das bekannteste Produkt heißt Xentari. So gehst du vor:
- Mittel nach Herstelleranweisung anrühren
- Ober- und Unterseiten aller Blätter der Wirtspflanzen benetzen
- Nur bei Außentemperaturen von mindestens 15 °C anwenden
- Nach Regen erneut auftragen, da das Mittel abgewaschen wird
Bt wirkt ausschließlich gegen Schmetterlingsraupen. Es ist für andere Insekten, Bienen und Menschen ungefährlich. Die Raupen nehmen das Mittel beim Fressen auf und sterben ab.
Manuelles Absammeln
Bei kleinem Befall oder wenigen Pflanzen kannst du Eier und Raupen von Hand entfernen. Eine selbst gebogene Pinzette aus Draht erleichtert das Greifen. Die größte Herausforderung beim Kleinen Kohlweißling: Seine grünen Raupen sitzen bevorzugt im Herzinnere der Pflanze und sind sehr schwer zu finden. Täglich 30 bis 50 Raupen abzusammeln ist bei starkem Befall zeitaufwändig und bringt nur begrenzte Erfolge, da immer neue Eier schlüpfen.
Gesammelte Raupen kannst du an Hühner verfüttern oder auf Kapuzinerkresse umsiedeln, die als Alternativpflanze dient. Eine selbst gebogene Pinzette aus Draht, deren Enden flachgedrückt wurden, ermöglicht ein gezieltes Greifen auch in engen Blattwinkeln.
Schlupfwespen
Schlupfwespen der Arten Cotesia glomerata und Cotesia rubecula sowie Trichogramma-Arten sind natürliche Parasiten des Kohlweißlings. Sie sind im Fachhandel erhältlich. Im Freiland wandern ausgebrachte Schlupfwespen aber häufig ab und werden selbst von Vögeln gefressen, weshalb ihre Wirksamkeit im Hausgarten begrenzt ist. Als unterstützende Maßnahme neben Netzen oder Bt sind sie sinnvoll.
Hausmittel
Kaffeesatz, Asche oder Tabakpulver werden gelegentlich als Abschreckung empfohlen. Bei einem ernsthaften Befall reichen diese Mittel nicht aus, um die Raupen zu stoppen. Als ergänzende Maßnahme bei leichtem Befall können sie einen kleinen Effekt haben.
Häufige Fehler und Lösungen
Netz zu spät gespannt
Der häufigste Fehler: Das Netz kommt erst ins Beet, nachdem bereits Falter gesichtet wurden. Zu diesem Zeitpunkt sind womöglich schon Eier abgelegt. Leg das Netz direkt nach dem Pflanzen an, nicht erst wenn du Schmetterlinge siehst.
Lösung: Fixe das Netz am Pflanztag und kontrolliere es auf Risse. Nimm es erst zur Ernte ab.
Netze mit zu großen Maschen oder Löchern
Ein Insektenschutzgitter mit 3 oder 4 mm Maschenweite lässt kleine Schmetterlinge problemlos durch. Auch ein kleiner Riss im Netz reicht einem Weibchen, um sich hindurchzuzwängen.
Lösung: Ausschließlich Netze mit max. 2 mm Maschenweite verwenden. Netze vor jedem Einsatz auf Beschädigungen prüfen.
Mischkultur statt Netz
Viele Gärtner versuchen, mit Duftpflanzen wie Tomaten, Thymian oder Salbei den Kohlweißling fernzuhalten. In der Praxis legen Falter Eier direkt neben diesen Pflanzen ab, ohne sich vom Duft stören zu lassen.
Lösung: Mischkulturen als sinnvolle Ergänzung sehen, nicht als Ersatz für Netze.
Absammeln als alleinige Strategie
Täglich 50 Raupen von Hand zu sammeln klingt machbar, wird aber zum Dauerproblem. Solange Falter aktiv sind und neue Eier legen, hört der Nachschub nicht auf.
Lösung: Absammeln mit Bt kombinieren oder besser: gleich Netze als Prävention einsetzen und das Problem von Anfang an verhindern.
Netz im Gewächshaus vergessen
Wer Kohl im Gewächshaus anbaut, denkt oft, er sei sicher. Doch Schmetterlinge fliegen durch offene Türen und Lüftungsschlitze und legen drinnen Eier ab.
Lösung: Auch Gewächshaustüren und Lüftungsöffnungen mit feinem Netz absichern.
FAQ
Woran erkenne ich sicher, dass Kohlweißlinge an meinen Pflanzen waren?
Das zuverlässigste Zeichen sind kleine, dunkle, runde Kotkügelchen auf den Blättern. Sie zeigen an, dass Raupen vorhanden oder gewesen sind, auch wenn du die grün getarnten Raupen des Kleinen Kohlweißlings nicht direkt siehst. Außerdem findest du auf den Blattunterseiten leuchtend gelbe Eiergelege oder einzelne gelbe Punkte.
Welche Kohlarten sind besonders gefährdet?
Alle Kreuzblütler (Brassicaceae) können befallen werden: Weißkohl, Rotkohl, Blumenkohl, Brokkoli, Kohlrabi, Wirsing, Grünkohl und Rosenkohl stehen ganz oben auf der Futterliste. Auch Mangold und Spinat werden angegangen. Kapuzinerkresse zieht den Schädling ebenfalls an.
Kann ich Kohlweißling-Raupen bedenkenlos an Hühner verfüttern?
Ja, die Raupen sind für Hühner ungefährlich und werden gerne gefressen. Die Raupen nehmen zwar Stoffe aus Kreuzblütlern auf, die in ihrem Körper umgewandelt werden, diese sind aber für Hühner und Menschen ungefährlich. Hühner eignen sich damit als einfache, natürliche Entsorgungsmethode für abgesammelte Raupen.
Wirkt Bacillus thuringiensis auch gegen andere Schädlinge?
Bt wirkt gezielt gegen Schmetterlingsraupen (Lepidoptera). Es schadet weder Bienen noch anderen Nützlingen, Vögeln oder Säugetieren. Andere Schädlinge wie Blattläuse, Schnecken oder Käfer werden davon nicht beeinträchtigt. Für andere Schädlingsgruppen sind separate Maßnahmen nötig.
Fazit
Der Kohlweißling ist kein Schädling, den man unterschätzen sollte. Zwei Arten mit mehreren Generationen pro Jahr und einem Weibchen, das hunderte Eier legen kann, ergeben ein erhebliches Schadenspotenzial. Die gute Nachricht: Du musst keine Chemie einsetzen und keinen aufwändigen täglichen Kontrollgang leisten, wenn du rechtzeitig handelst. Spann engmaschige Kulturschutznetze über deine Kohlpflanzen, bevor die ersten Falter fliegen, und du hast das Problem an der Wurzel gelöst. Bei bestehendem Befall hilft Bacillus thuringiensis schnell und zuverlässig, ohne Nützlinge zu schädigen. Alle anderen Methoden sind sinnvolle Ergänzungen, aber kein Ersatz für diese beiden Kernmaßnahmen.
