Platterbsen pflanzen und pflegen
Viele Gemüsegärtner kennen sie kaum noch, dabei wurde sie schon vor 6.000 Jahren kultiviert: die Platterbse (Lathyrus sativus), eine alte Hülsenfrucht mit bemerkenswerter Trockenheitstoleranz. Während Erbsen bei Trockenheit streiken und Bohnen Wärme brauchen, gedeiht die Platterbse in trockenen Sommern zuverlässig weiter. Wer einen robusten, produktiven Kletterer für den Garten sucht, der kaum Pflege braucht, liegt mit Platterbsen goldrichtig. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Platterbsen richtig aussäst, pflegst, erntest und welche Besonderheiten du beim Verzehr beachten solltest.
Das Wichtigste in Kürze
- Platterbsen sind ab Ende Februar bis Ende März direkt ins Freiland aussäbar
- Die Pflanzen wachsen 30 bis 100 cm hoch und brauchen ab dem ersten Ranken eine Kletterhilfe
- Als Hülsenfrucht binden sie Stickstoff aus der Luft: kein Stickstoffdünger nötig
- Gegossen wird nur, wenn die Bodenoberfläche angetrocknet ist
- Erntereif sind Hülsen etwa 2 Wochen nach dem Verblühen, wenn sie prall und intensiv grün sind
- Essbar sind Samen, junge Schoten, Triebe und Blüten, aber nur in Maßen
- Die Pflanze ist resistent gegen Ascochyta-Blattkrankheit und verträgt auch kurzzeitige Staunässe
Die besten Sorten und Arten für den Garten
Innerhalb der Gattung Lathyrus gibt es über 150 Arten. Für den Gemüsegarten sind vor allem zwei relevant:
Saat-Platterbse (Lathyrus sativus) ist die klassische Speisepflanze. Sie ist einjährig, wird 30 bis 60 cm hoch (gelegentlich bis 100 cm) und trägt weiße Blüten mit blauen Adern, seltener rosa oder bläuliche. Die Samen sind eckig und beilartig geformt, 7 bis 10 mm groß. Diese Art ist die trockenheitsresistenteste der Gruppe und eignet sich auch für magere, sandige Böden.
Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus) ist mehrjährig, winterhart und wird nur 20 bis 40 cm hoch. Sie blüht früh, ab April, in leuchtenden Rosa- und Violetttönen, produziert aber weniger Samen für den Speisegebrauch. Im Garten ist sie eher als Zierpflanze oder Bodendecker interessant.
Breitblättrige Platterbse (Lathyrus latifolius) klettert bis 2 m hoch und eignet sich hervorragend zur Zaunbegrünung. Auch sie ist mehrjährig.
| Sorte/Art | Höhe | Einjährig/Mehrjährig | Blütenfarbe | Nutzung |
|---|---|---|---|---|
| Saat-Platterbse (L. sativus) | 30–100 cm | Einjährig | Weiß-blau | Speise, Gründüngung |
| Frühlings-Platterbse (L. vernus) | 20–40 cm | Mehrjährig | Rosa, Violett | Zierpflanze, Bodendecker |
| Breitblättrige Platterbse (L. latifolius) | 1,5–2 m | Mehrjährig | Rosa, Weiß | Zaunbegrünung, Zierpflanze |
Für den Gemüsegarten mit Ernteziel ist die Saat-Platterbse (L. sativus) die richtige Wahl.
Wann solltest du Platterbsen säen?

Die Saat-Platterbse ist kältetoleranter als viele andere Hülsenfrüchte. Sie keimt ab einer Bodentemperatur von 5 bis 10°C, was einen frühen Saatstart erlaubt.
Direktsaat im Freiland: Ende Februar bis Ende März ist der optimale Zeitraum für den Hobbygarten. Frühsaaten von Mitte Februar sind möglich, wenn kein starker Frost mehr zu erwarten ist.
Voranzucht im Haus: Wer noch früher starten möchte, kann bereits im Januar oder Februar im Haus vorziehen. Die Keimlinge werden nach dem letzten Frost (etwa Mitte bis Ende April) ins Beet gesetzt, sobald sie mindestens 10 cm groß sind.
Tipp: Weiche die Samen vor der Aussaat 12 bis 24 Stunden in lauwarmem Wasser ein. Das erweicht die harte Samenschale und beschleunigt die Keimung deutlich.
Die Blütezeit beginnt je nach Aussaatdatum und Standort ab Mai bis Juni. Rund 2 Wochen nach dem Verblühen sind die ersten Hülsen erntereif.
Aussaat Schritt für Schritt
Standortwahl
Wähle einen sonnigen bis halbschattigen, windgeschützten Standort mit durchlässigem Boden. Staunässe schadet der Pflanze auf Dauer, obwohl sie kurzfristige Nässe besser verträgt als andere Leguminosen. Der pH-Wert sollte zwischen 6 und 7,5 liegen; kalkhaltige Böden sind ideal. Auch sandige, magere Böden sind geeignet, da die Platterbse ihren Stickstoff selbst aus der Luft bezieht.
Rankhilfen vorbereiten
Stelle Rankhilfen bereit, bevor die Pflanzen anfangen zu klettern. Bewährt haben sich:
- Mehrere Stöcke oder Äste, die in die Erde gesteckt werden
- Feinmaschiger Drahtzaun
- Gartenzaun oder Spalier
Die Pflanzen greifen mit feinen Ranken selbst nach der Stütze, sobald sie ihnen nahe genug kommen.
Methode 1: Direktsaat im Beet
- Boden 15–20 cm tief lockern und von Unkraut befreien
- Optional: Kompost einarbeiten (kleiner Handgriff verbessert die Startbedingungen)
- Samen in 2–4 cm Tiefe ablegen, Reihenabstand 10–20 cm
- Erde andrücken und angießen
- Boden gleichmäßig feucht halten bis zum Auflaufen (Auflaufen bedeutet: die Keimlinge schieben sich sichtbar aus dem Boden)
- Rankhilfen aufstellen, sobald die ersten Ranken erscheinen
Methode 2: Voranzucht im Kübel oder auf der Fensterbank
- Samen einzeln in Anzuchttöpfe (je 8–10 cm Durchmesser) mit Anzuchterde legen, ca. 2 cm tief
- Leicht angießen
- Optional: Mit Frischhaltefolie oder einem Plastikbeutel abdecken, täglich kurz lüften
- Keimlinge bei angetrockneter Oberfläche mäßig gießen
- Ab 10 cm Höhe und nach dem letzten Frost: ins Beet umsetzen
- Beim Umpflanzen Rankhilfe bereitstellen
Tipp: Schneide beim Kübel-Anbau die Triebspitzen ab, sobald die Pflanze gut wächst. Das regt die Pflanze zur Verzweigung an und sorgt für dichteren Wuchs und mehr Hülsen.
Pflege: Gießen, Düngen, Unkraut
Gießen
Platterbsen sind ausgeprochen trockenheitstolerant und kommen mit deutlich weniger Wasser aus als Erbsen oder Bohnen. Gieße nur dann, wenn die oberste Erdschicht (etwa 2 cm) vollständig angetrocknet ist. Zu viel Feuchtigkeit begünstigt Pilzkrankheiten. An sehr heißen Tagen mit über 30°C kannst du etwas großzügiger giessen, um Austrocknung zu verhindern.
Keimlinge brauchen etwas gleichmäßigere Feuchtigkeit: Halte den Boden leicht feucht, aber nie nass.
Düngen
Als Leguminose (Hülsenfruchtgewächs) bildet die Platterbse eine Symbiose mit Knöllchenbakterien, die Stickstoff aus der Luft binden. Das bedeutet: Sie versorgt sich selbst mit dem wichtigsten Nährstoff. Stickstoffdünger ist nicht nur unnötig, er schadet sogar, weil er die Stickstoffbindung hemmt.
Was du tun kannst: Beim Pflanzen oder Aussäen etwas reifen Kompost einarbeiten. Das verbessert die Bodenstruktur und stellt Phosphor, Kalium und Spurenelemente bereit.
Unkraut
Junge Platterbsen sind im Vergleich zu Unkraut schwach. Jäte in den ersten 4 bis 6 Wochen regelmäßig, damit Unkraut den Keimlingen nicht das Licht nimmt. Sobald die Pflanzen gut etabliert sind, werden sie kräftiger und verdrängen Unkraut selbst.
Tipp: Eine dünne Mulchschicht aus Grasschnitt oder Stroh um die Pflanzen hält den Boden feucht, unterdrückt Unkraut und spart Gießarbeit.
Blütenpflege
Entferne verwelkte Blütenstände regelmäßig. Das verlängert die Blütezeit und regt die Pflanze zur Produktion weiterer Hülsen an.
Häufige Probleme und Lösungen
Blattläuse
Blattläuse siedeln sich gelegentlich an jungen Trieben an, besonders bei schwachem Pflanzenwuchs. Gegenmaßnahmen:
- Bei leichtem Befall: Läuse mit einem starken Wasserstrahl abspritzen
- Nützlinge fördern: Marienkäfer und Florfliegen fressen Blattläuse
- Bei stärkerem Befall: mit Kaliseife- oder Rapsölspray behandeln
Mehltau
Echter Mehltau zeigt sich als weißer, pudrig aussehender Belag auf den Blättern. Er entsteht vor allem bei wechselnder Feuchtigkeit und Wärme. Die Platterbse ist zwar weniger anfällig als viele andere Gemüsepflanzen, kann aber trotzdem befallen werden.
Abhilfe: Betroffene Pflanzenteile entfernen, Standort verbessern (mehr Belüftung), nicht von oben giessen.
Pilzkrankheiten durch Staunässe
Staunässe über mehrere Tage führt zu Wurzelfäule oder Auflaufdämpfe (die Keimlinge sterben kurz nach dem Auflaufen ab). Lösung: Drainage verbessern, Sand in schwere Böden einarbeiten, Gießmenge reduzieren.
Schlechtes Keimen
Falls Samen schlecht keimen: Überprüfe die Bodentemperatur (mindestens 5°C), ob die Samen eingeweicht wurden, und ob der Boden zu trocken oder zu nass ist. Ältere Samen (mehr als 3 Jahre) verlieren ihre Keimfähigkeit.
Nagetiere
Mäuse und Ratten fressen gerne frisch gelegte Samen. Falls das ein Problem ist, decke das Saatbeet nach dem Aussäen mit einem feinmaschigen Netz ab, bis die Keimlinge aufgegangen sind.
Ernte und Lagerung
Wann ernten?
Etwa 2 Wochen nach dem Verblühen sind die ersten Hülsen erntereif. Erkennungszeichen:
- Die Hülse ist prall und fest
- Die Farbe ist intensiv grün
- Unter den Fingern sind die einzelnen Erbsen im Innern spürbar
Warte nicht zu lange: Überreife Hülsen verfärben sich gelb und die Samen werden mehlig und weniger aromatisch.
Was ist alles essbar?
Die Platterbse ist eine der wenigen Pflanzen, bei denen fast alle Teile genutzt werden können:
- Junge Schoten: wie Zuckerschoten zubereiten, wenn die Schote noch flach und die Samen kaum sichtbar sind
- Reife Samen: wie Kichererbsen kochen; kein Aufwand mit Enthäuten oder Einweichen über Nacht nötig
- Junge Triebe: roh als Salatbeilage oder kurz gegart
- Blüten: roh als essbare Dekoration oder Salatbeilage
Der Geschmack der Samen und Schoten ähnelt jungen, leicht süßlichen Erbsen.
Wichtig: Die Platterbse enthält den Wirkstoff ODAP (ein Neurotoxin), der bei sehr hohem und dauerhaftem Konsum Lathyrismus verursachen kann. Das ist ein Syndrom mit Muskelkrämpfen und im Extremfall Lähmungserscheinungen. Dieses Risiko besteht nur, wenn Platterbsen über Monate hinweg als einziges oder fast einziges Nahrungsmittel gegessen werden. Im normalen Hobbygarten, wo Platterbsen als Beilage und Abwechslung auf dem Teller landen, gibt es kein gesundheitliches Risiko. Moderne Sorten haben deutlich niedrigere Toxingehalte. Trotzdem gilt: Platterbsen in Maßen genießen und mit anderen Lebensmitteln kombinieren.
Samen trocknen für das nächste Jahr
Lass einige Hülsen an der Pflanze bis zur vollständigen Abreife stehen (sie werden papierartig und braun). Die Samen daraus kannst du im nächsten Jahr wieder aussäen. Bewahre sie trocken und kühl in einer beschrifteten Papiertüte auf.
FAQ
Sind Platterbsen giftig?
Platterbsen enthalten das Neurotoxin ODAP (Oxalyldiaminopropionsäure). Gesundheitsschäden (Lathyrismus) entstehen nur, wenn die Samen über mehrere Monate als fast einziges Nahrungsmittel gegessen werden, wie es historisch in Hungersnöten vorkam. Im normalen Gartengebrauch als Beilage oder Gemüse neben anderen Lebensmitteln ist die Platterbse unbedenklich. Moderne Sorten mit geringem Toxingehalt sind verfügbar.
Brauchen Platterbsen eine Rankhilfe?
Ja. Als Kletterpflanze greifen Platterbsen mit feinen Ranken nach Stützen. Ohne Rankhilfe fallen die Triebe um und das Wachstum leidet. Einfache Stöcke oder ein Gitterdrahtzaun reichen völlig aus.
Wie lange hält Platterbsen-Saatgut?
Selbst geerntetes Saatgut, trocken und kühl gelagert, ist 3 bis 4 Jahre keimfähig. Danach nimmt die Keimrate ab.
Kann ich Platterbsen jedes Jahr neu säen?
Die Saat-Platterbse ist einjährig und muss jedes Jahr neu gesät werden. Mehrjährige Arten wie die Frühlings-Platterbse (L. vernus) treiben im nächsten Jahr aus den Wurzeln neu aus.
Warum binden Platterbsen Stickstoff?
Platterbsen gehören zu den Leguminosen (Hülsenfruchtgewächse). In Knöllchen an ihren Wurzeln leben Bakterien (Rhizobien), die Stickstoff aus der Luft chemisch umwandeln und der Pflanze zugänglich machen. Nach der Ernte bleibt dieser Stickstoff im Boden und kommt der nächsten Kultur zugute.
Fazit
Platterbsen sind eine lohnenswerte Entdeckung für jeden Gemüsegarten. Sie brauchen kaum Dünger, kommen mit Trockenheit zurecht und liefern essbare Samen, Schoten, Triebe und Blüten. Wer einen robusten Kletterer sucht, der kaum Pflege verlangt und dabei noch den Boden mit Stickstoff anreichert, sollte die Platterbse ausprobieren. Starte mit einer Direktsaat Ende Februar oder März, stell eine einfache Rankhilfe bereit, und du wirst schon im Sommer erste Ernteerfolge haben.
Besorg dir Saatgut der Saat-Platterbse (Lathyrus sativus) und lege im nächsten Frühjahr los.
