Winterkresse im Garten: Aussaat, Pflege und Ernte von Barbarakraut
Im November ist im Gemüsebeet meist Schluss, doch Winterkresse denkt gar nicht daran, sich zu verabschieden. Die auch als Barbarakraut bekannte Pflanze bleibt selbst bei Frost grün und liefert dir bis weit in den Winter hinein frische, scharf-würzige Blätter für Salat, Quark und Suppe. Sie ist genügsam, fast unempfindlich gegen Kälte und lässt sich sowohl im Beet als auch im unbeheizten Gewächshaus kultivieren. In diesem Ratgeber erfährst du, wann du Barbarakraut säst, wie du es richtig pflegst und wie du über Monate hinweg frisches Grün erntest.
Das Wichtigste in Kürze
- Barbarakraut (botanisch Barbarea vulgaris) ist zweijährig, winterhart und bleibt bis in den Dezember hinein grün und erntbar.
- Aussaat ist im Freiland von März bis Oktober möglich, für die gezielte Winterernte im Gewächshaus sogar bis Dezember.
- Als Lichtkeimer (die Samen brauchen Licht zum Keimen) werden die Samen nur angedrückt, nicht mit Erde bedeckt.
- Der optimale Standort ist halbschattig bis sonnig mit nährstoffreichem, gleichmäßig feuchtem Boden.
- Die Blätter schmecken am mildesten vor der Blüte, im zweiten Standjahr werden sie deutlich bitterer.
- Erdflöhe sind der wichtigste Schädling bei Jungpflanzen, ansonsten ist die Pflanze kaum krankheitsanfällig.
- Alle Pflanzenteile sind essbar, halte trotzdem 6 Jahre Anbaupause zu anderen Kreuzblütlern wie Kohl oder Rucola ein.
Die besten Sorten für deinen Garten

Barbarakraut wird im Handel meist ohne ausgefeilte Sortennamen angeboten. Du bekommst in der Regel Saatgut der Wildform beziehungsweise der daraus kultivierten Gartenform, oft schon biozertifiziert. In der Natur gibt es mehrere Unterarten mit unterschiedlicher Wuchsform, etwa das Frühlings-Barbarakraut oder das mittlere Barbarakraut. Für den Hausgarten musst du dir darüber aber keine Gedanken machen: Entscheidend ist weniger die Unterart als der richtige Aussaatzeitpunkt.
Plane deinen Anbau daher eher nach Verwendungszweck als nach Sorte. Für eine schnelle Ernte im Sommer und Herbst säst du im Frühjahr aus. Willst du dagegen gezielt frisches Grün im Winter ernten, verschiebst du die Aussaat in den Spätsommer oder Herbst und ziehst die Pflanzen im unbeheizten Gewächshaus oder unter Vlies. Mit beiden Terminen kombiniert hast du fast das ganze Jahr über frische Blätter zur Verfügung.
Achte beim Kauf darauf, dass das Saatgut eindeutig als Barbarakraut, Winterkresse oder Barbarakresse gekennzeichnet ist, da alle drei Namen dieselbe Pflanze bezeichnen. Manche Anbieter führen zusätzlich biozertifiziertes Saatgut, das sich geschmacklich nicht von konventionellem unterscheidet, aber ohne synthetische Zusätze produziert wird. Eine Reinigung oder Sortenauswahl im klassischen Sinn, wie du sie von Tomaten oder Salat kennst, brauchst du bei Barbarakraut nicht vorzunehmen.
Tipp: Säe im Abstand von 3 bis 4 Wochen mehrmals nach. So hast du immer junge, zarte Blätter zur Hand, statt auf eine einzige, irgendwann überalterte Rosette angewiesen zu sein.
Wann solltest du Barbarakraut säen?
Barbarakraut lässt sich über einen sehr langen Zeitraum aussäen, was es zu einer der flexibelsten Kulturen im Gemüsegarten macht.
| Aussaatzeitraum | Zweck | Standort |
|---|---|---|
| März bis Mai | frühe Ernte im selben Jahr | Freiland, halbschattig |
| Juni bis September | Haupternte im Herbst und Winter | Freiland |
| August bis Dezember | gezielte Winterernte | unbeheiztes Gewächshaus, Winterhochbeet |
Je früher du säst, desto früher kannst du die ersten Blätter ernten. Wählst du dagegen einen späten Termin ab August, zielst du bewusst auf die Ernte in der kalten Jahreszeit, wenn im restlichen Garten kaum noch etwas wächst. Die Keimung gelingt am zuverlässigsten bei Temperaturen zwischen 10 und 20 Grad, wie sie im Frühjahr, Herbst und in einem unbeheizten Gewächshaus meist herrschen.
Wenn du dir unsicher bist, welcher Termin zu deinem Garten passt, orientiere dich an einer einfachen Faustregel: Jede Aussaat bis etwa acht Wochen vor dem ersten stärkeren Frost bildet in der Regel noch eine kräftige Rosette aus, bevor das Wachstum sich verlangsamt. Spätere Aussaaten keimen zwar noch, entwickeln sich aber deutlich langsamer und liefern erst im folgenden Frühjahr eine nennenswerte Ernte. Wer sowohl im Frühjahr als auch im Spätsommer sät, überbrückt so die Lücke zwischen den beiden Erntefenstern.
Aussaat Schritt für Schritt
Barbarakraut zählt zu den unkompliziertesten Kulturen überhaupt, wenn du eine Besonderheit beachtest: Es ist ein Lichtkeimer.
- Boden vorbereiten: Bei sandigem oder tonhaltigem Boden arbeitest du etwa 10 Zentimeter Anzuchterde ein, das entspricht ungefähr 30 Litern pro Quadratmeter.
- Samen verteilen: Streue die Samen in Reihen mit 15 bis 30 Zentimetern Abstand oder breitwürfig auf die vorbereitete Fläche.
- Andrücken statt bedecken: Drücke die Samen nur leicht an, ohne sie mit Erde zu bedecken. Als Lichtkeimer brauchen sie Kontakt zur Erdoberfläche, um zu keimen.
- Vorsichtig angießen: Gieße behutsam, am besten mit einer feinen Brause, damit die Samen nicht an eine Stelle gespült werden.
- Feucht halten: Halte das Saatbett bis zum Auflaufen (dem sichtbaren Durchbrechen der Keimlinge durch die Erdoberfläche) durchgehend feucht.
- Vereinzeln: Sobald die Jungpflanzen 5 bis 8 Zentimeter groß sind, vereinzelst du sie auf einen Abstand von etwa 10 Zentimetern.
Tipp: Barbarakraut lässt sich auch völlig erdlos auf feuchtem Küchenpapier ansäen. Für die Fensterbank feuchtest du das Papier vor der Aussaat an, verteilst die Samen darauf und hältst sie dauerhaft feucht. Das eignet sich besonders für kleine Mengen zum schnellen Verzehr.
Willst du Barbarakraut lieber im Topf ziehen, brauchst du dafür mindestens 5 Liter Erdvolumen, damit die Pflanze genug Platz für ihre Wurzeln hat.
Pflege: Gießen, Düngen, Unkraut
Barbarakraut braucht kaum Pflege, das macht es zur idealen Pflanze für alle, die wenig Zeit im Garten verbringen können.
Gießen: Während der Keimung und in den ersten Wochen danach muss der Boden gleichmäßig feucht bleiben. Ausgewachsene Pflanzen kommen dagegen gut zurecht und benötigen nur bei länger anhaltender Trockenheit zusätzliches Wasser.
Düngen: Im ersten Standjahr reicht meist der natürliche Nährstoffgehalt eines guten Gartenbodens aus, eine zusätzliche Düngung ist selten nötig. Barbarakraut gilt als Mittelzehrer (Pflanze mit mittlerem Nährstoffbedarf). Im zweiten Jahr, wenn die Pflanze den Blütentrieb entwickelt, kannst du im Frühjahr etwas organischen Langzeitdünger oder gelegentlich Flüssigdünger geben.
Unkraut und Mulch: Halte die Fläche in den ersten Wochen unkrautfrei, damit sich die jungen Pflanzen ungestört entwickeln können. Eine dünne Mulchschicht hält die Feuchtigkeit im Boden und wirkt gleichzeitig vorbeugend gegen Erdflöhe.
Geschmack steuern: Über den Standort und die Wassergabe kannst du beeinflussen, wie scharf die Blätter schmecken. Ein halbschattiger, gleichmäßig feuchter Standort ergibt mildere Blätter. Stehen die Pflanzen dagegen sehr sonnig oder wird der Boden zwischenzeitlich trockener, fällt der Geschmack schärfer und bitterer aus.
Mischkultur: die besten Beetnachbarn: Barbarakraut lässt sich gut in ein bestehendes Gemüsebeet integrieren. Als verlässliche Nachbarn gelten Spinat, Mangold und Feldsalat, drei Blattgemüse mit ähnlichen Standort- und Feuchtigkeitsansprüchen. So kannst du eine Beetfläche im Wechsel oder nebeneinander mit mehreren winterharten Blattgemüsen bepflanzen und über die kalte Jahreszeit hinweg abwechslungsreich ernten. Vermeide dagegen eine enge Nachbarschaft zu anderen Kreuzblütlern wie Kohl, Radieschen oder Rucola, da sich diese Pflanzenfamilie gegenseitig denselben Schädlingen und Bodenmüdigkeit aussetzt.
Häufige Probleme und Lösungen
Barbarakraut gilt als robuste und pflegeleichte Pflanze. Die folgenden Probleme tauchen zwar selten auf, lassen sich aber mit wenigen Handgriffen vermeiden oder beheben.
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Löcher in jungen Blättern | Erdflöhe, kleine springende Käfer | Boden feucht halten, mulchen, befallene Jungpflanzen notfalls mit Gemüseschutz-Netz abdecken |
| Blätter schmecken sehr bitter | Blütezeit im zweiten Jahr oder zu trockener, sonniger Standort | Vor der Blüte ernten, halbschattigen Standort wählen, gleichmäßig gießen |
| Keimung bleibt aus | Samen wurden mit Erde bedeckt | Samen bei Neuaussaat nur andrücken, nicht bedecken (Lichtkeimer) |
| Pflanze wird mit anderem Kraut verwechselt | Ähnlichkeit zur Wegrauke während der Blüte | Wegrauke hat schmalere, lanzenförmige Blätter; im Zweifel vor dem Verzehr eindeutig bestimmen |
Tipp: Die Wegrauke (Sisymbrium officinale) ist leicht giftig und sieht Barbarakraut während der Blüte ähnlich. Achte beim Sammeln oder bei der Ernte aus Mischbeständen auf eine eindeutige Bestimmung, bevor du die Blätter isst.
Ernte und Lagerung
Barbarakraut lässt sich fast das ganze Jahr über beernten, sein eigentlicher Vorteil zeigt sich aber im Spätherbst und Winter, wenn andere Blattgemüse längst abgeerntet sind.
Pflücke einzelne Blätter direkt aus der Rosette (der bodennahen Blattanordnung des ersten Standjahres), statt die ganze Pflanze auf einmal zu ernten. So bleibt die Photosynthesefläche erhalten und die Pflanze bildet laufend neue Blätter nach. Am mildesten schmecken die Blätter im Rosettenstadium vor der Blüte, bei einer rechtzeitigen Herbstaussaat kannst du davon noch bis Anfang Dezember profitieren.
Neben den Blättern lassen sich auch die Blütenknospen verwenden: Kurz vor dem Öffnen gepflückt und kurz gedünstet, schmecken und erinnern sie stark an Mini-Brokkoli. Die reifen Samen im Herbst kannst du zerstoßen und wie Senf als Gewürz einsetzen.
Frisch geerntete Blätter halten sich, in ein feuchtes Tuch gewickelt, maximal 2 Tage im Kühlschrank. Da das Aroma mit der Zeit nachlässt, verarbeitest du Barbarakraut am besten direkt nach der Ernte, etwa roh im Salat, angemacht als Kräuterquark, kurz blanchiert wie Spinat oder als würzige Zutat in einem Pesto. Auch ein Aufguss aus 25 Gramm Blättern auf einen Liter kochendes Wasser, etwa 12 Minuten gezogen, ist als vitaminreicher Tee beliebt.
Möchtest du eigenes Saatgut gewinnen, lässt du im zweiten Standjahr einfach einige Pflanzen bis zur Samenreife stehen. Die länglichen Schoten öffnen sich bei Trockenheit von selbst und entlassen die feinen Samen. Sammle die Schoten kurz bevor sie vollständig aufplatzen, trockne sie an einem luftigen Ort nach und bewahre die Samen anschließend kühl und trocken in einem verschlossenen Behälter auf. So sparst du dir beim nächsten Aussaattermin den Neukauf von Saatgut.
FAQ
Ist Barbarakraut giftig?
Nein, alle Pflanzenteile von Barbarakraut, also Blätter, Blütenknospen und Samen, sind essbar und ungiftig für Menschen und Haustiere. Achte nur darauf, es nicht mit der ähnlich aussehenden, leicht giftigen Wegrauke zu verwechseln.
Kann ich Barbarakraut auch im Topf oder Kübel anbauen?
Ja, das funktioniert gut, solange das Gefäß mindestens 5 Liter Volumen bietet. Achte auf einen halbschattigen Standort und darauf, dass die Erde nicht komplett austrocknet.
Was unterscheidet Barbarakraut von normaler Gartenkresse?
Gartenkresse ist einjährig, wächst sehr schnell und wird meist innerhalb weniger Wochen komplett abgeerntet. Barbarakraut ist zweijährig, winterhart und liefert dir über einen viel längeren Zeitraum, teils bis in den Winter hinein, immer wieder frische Blätter aus derselben Pflanze.
Wie oft kann ich Barbarakraut nachsäen?
Für eine durchgehende Ernte lohnt es sich, alle 3 bis 4 Wochen kleine Mengen nachzusäen. So hast du stets junge, milde Blätter zur Hand, statt auf eine einzelne, mit der Zeit bitterer werdende Rosette angewiesen zu sein.
Übersteht Barbarakraut auch strengen Frost?
Ja, Barbarakraut zählt zu den winterhärtesten Blattgemüsen überhaupt. Im Freiland kommt es problemlos mit Minusgraden zurecht, im unbeheizten Gewächshaus oder unter einer Schicht Reisig bleibt es noch länger erntefähig. Selbst nach den ersten Schneefällen kannst du oft noch frische Blätter unter der Schneedecke hervorholen.
Fazit
Barbarakraut ist eine der wenigen Pflanzen, die dir gerade dann noch frisches Grün liefern, wenn der restliche Garten längst Winterpause macht. Die Aussaat ist unkompliziert, die Pflege minimal und mit einer gestaffelten Aussaat von Frühjahr bis Spätsommer sicherst du dir eine fast ganzjährige Ernte. Wer sein Beet ohnehin mit Spinat, Mangold oder Feldsalat bestückt, findet in Barbarakraut eine unkomplizierte Ergänzung mit deutlich längerer Erntedauer. Probiere es in der kommenden Aussaatsaison einfach in einer freien Ecke deines Beets oder im unbeheizten Gewächshaus aus und entdecke den würzigen Geschmack der Winterkresse für dich.
