Wirsing im Gemüsegarten: Anbau, Pflege und die besten Sorten
Wirsing ist eine der vielseitigsten Kohlarten im Gemüsegarten. Die gekrausten Blätter sind zarter als Weißkohl, der Geschmack ist milder und die Pflanze lässt sich fast das ganze Jahr über kultivieren. Ob als knackiger Frühsommer-Salat oder als deftiges Wintergemüse: Mit der richtigen Sortenwahl und ein paar grundlegenden Pflegetipps gelingt der Anbau auch Einsteigern problemlos.
Das Wichtigste in Kürze
- Wirsing ist ein Starkzehrer (eine Pflanze mit hohem Nährstoffbedarf) und braucht nährstoffreichen, humosen Boden mit Kompost und Hornspänen.
- Mit frühen, mittleren und späten Sorten lässt sich Wirsing nahezu ganzjährig ernten, von Mai bis Februar.
- Die Aussaat erfolgt je nach Sorte von Januar bis Juli, entweder auf der Fensterbank mit Zusatzbeleuchtung oder ab März direkt im Frühbeet.
- Beim Pflanzen gilt: tiefer setzen als zuvor und 50 bis 60 cm Abstand zwischen den Pflanzen einhalten.
- Kohlhernie vorbeugen: Mindestens vier Jahre keine Kohlart am selben Standort anbauen.
- Späte Sorten sind winterhart und können bei Frost einfach im Beet stehen bleiben.
- Insektenschutznetze schützen zuverlässig vor Kohlweißling und anderen Schädlingen.
Die richtige Sorte für jede Jahreszeit

Wirsing unterscheidet sich von anderen Kohlarten durch seine bemerkenswerte Sortenvielfalt. Je nach Aussaatzeitpunkt und Sortenwahl kannst du bis zu zehn Monate im Jahr frischen Wirsing ernten.
Frühsorten wie Vorbote 3 oder Alcosa haben eine Kulturdauer von nur 65 bis 75 Tagen. Du säst sie bereits im Januar oder Februar aus und kannst ab Mai die ersten Köpfe ernten. Diese Sorten bilden kleinere Köpfe von etwa einem Kilogramm, schmecken dafür aber besonders zart und mild.
Mittlere Sorten wie Wirosa F1 oder Vertus 2 werden im Mai ausgesät und liefern von August bis Oktober kräftige Köpfe. Vertus 2 überzeugt dabei durch besonders milden Geschmack und hohen Ertrag.
Spätsorten und Wintersorten wie Alaska F1, Langendijka oder Marner Grüfewi sind die Marathonläufer unter den Wirsingarten. Du säst sie von April bis Juli aus und erntest von Oktober bis in den Februar hinein. Besonders praktisch: Winterharte Sorten wie Marner Grüfewi bleiben einfach im Beet stehen und vertragen Frost und Schnee problemlos. An frostfreien Tagen schneidest du nach Bedarf einen Kopf ab. Diese Köpfe können bis zu vier Kilogramm schwer werden.
Aussaat und Anzucht Schritt für Schritt
Aussaat im Haus
Für eine frühe Ernte ab Mai startest du die Aussaat bereits im Januar. Verwende dafür nährstoffarme Aussaaterde und säe die Samen etwa einen Zentimeter tief. Drücke das Saatgut leicht an und bedecke es mit Erde. Die ideale Keimtemperatur liegt bei 15 bis 20 Grad. Temperaturen über 20 Grad solltest du vermeiden, da der Kohl dann zu schnell wächst und die Pflanzen instabil werden.
Ein wichtiger Punkt bei der frühen Aussaat: Vor Anfang März reicht das natürliche Licht nicht aus. Du brauchst eine Zusatzbeleuchtung, die 12 bis 14 Stunden am Tag leuchtet. Ohne diese Hilfe schießen die Sämlinge in die Höhe und werden lang und dünn. Ein kühler Raum mit 12 bis 18 Grad ist dabei ideal, denn je kühler die Umgebung, desto weniger Licht benötigen die Pflanzen.
Die Keimung dauert in der Regel 8 bis 10 Tage, kann aber auch schon nach 4 bis 5 Tagen oder erst nach zwei bis drei Wochen einsetzen.
Pikieren zum richtigen Zeitpunkt
Etwa zwei bis drei Wochen nach der Aussaat, wenn die ersten echten Blätter erscheinen, ist es Zeit zum Pikieren. Setze die Pflänzchen in Einzeltöpfe von mindestens 8 mal 8 Zentimetern um. Verwende dabei eine nährstoffreichere Erdmischung, zum Beispiel 50 Prozent Aussaaterde und 50 Prozent Kompost oder eine fertige Gemüseerde.
Beim Pikieren setzt du die Pflänzchen etwas tiefer als zuvor. Das fördert die Stabilität und eine kräftige Wurzelbildung.
Timing ist entscheidend
Ein häufiger Fehler beim Kohlanbau: Die Jungpflanzen stehen zu lange in ihren kleinen Töpfen. Wenn der Stiel anfängt zu verholzen, leidet der Ertrag erheblich. Statt großer, runder Köpfe bekommst du dann nur apfelgroße Exemplare. Pflanze die Setzlinge deshalb rechtzeitig aus, sobald sie kräftig genug sind und die Bedingungen draußen es zulassen.
Den Standort richtig wählen
Wirsing braucht einen sonnigen Standort. Halbschatten wird zwar toleriert, aber gerade im Herbst, wenn die Sonne an Intensität verliert, zahlt sich ein vollsonniger Platz aus. Der Boden sollte locker, nährstoffreich und leicht lehmig sein. Ein fester Untergrund ist wichtig, da er das Gewicht der sich entwickelnden Köpfe tragen muss.
Für die Bodenvorbereitung arbeitest du Kompost und Hornspäne in das Beet ein. Bei sandigem Boden lohnt sich zusätzlich Urgesteinsmehl als Bodenverbesserung. Auf Pferdemist solltest du bei Kohl verzichten, da er den Geschmack negativ beeinflussen kann. Eine bewährte Methode ist es, direkt ins Pflanzloch einen Teelöffel bis Esslöffel Gemüsedünger zu geben.
Pflanzung ins Beet
Frühsorten geschützt auspflanzen
Frühsorten können ab Anfang März ins Gewächshaus oder Frühbeet gesetzt werden. Im Freiland wartest du bis Mitte oder Ende April. Wirsing-Jungpflanzen sind erstaunlich frosthart und vertragen Temperaturen bis minus 8 Grad, manche Sorten sogar bis minus 12 Grad. Trotzdem empfiehlt es sich, die Pflanzen im Gewächshaus erst an die Temperaturschwankungen zu gewöhnen: Nachts abdecken, morgens wieder aufdecken.
Der richtige Pflanzabstand
Halte zwischen den Pflanzen 50 bis 60 Zentimeter Abstand ein, sowohl in der Reihe als auch zwischen den Reihen. Bei frühen Sorten, die kleiner bleiben, reichen auch 40 Zentimeter. Eine Zickzack-Anordnung der Pflanzen nutzt den vorhandenen Platz optimal aus. Kohlpflanzen werden erstaunlich groß, das vergisst man am Anfang leicht.
So pflanzt du richtig
Grabe ein ausreichend großes Pflanzloch, setze die Jungpflanze hinein und achte darauf, sie tiefer zu setzen als sie vorher stand. Die Erde darf bis zu den Keimblättern reichen. Baue einen kleinen Gießrand, also einen Erddamm rund um die Pflanze. So bleibt das Gießwasser gezielt bei den Wurzeln. Gib eine Schaufel Kompost um die Pflanze und gieße gründlich an.
Als Schutz gegen die Kohlfliege empfiehlt sich ein Kohlkragen, also ein Schutzring um den Stiel der Pflanze.
Pflege während der Wachstumsphase

Gießen und Mulchen
Wirsing hat einen hohen Wasserbedarf, besonders während der Hauptwachstumsphase im Juli und August. Prüfe regelmäßig die Bodenfeuchtigkeit, indem du einfach den Finger in die Erde steckst. Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt hält die Feuchtigkeit im Boden und liefert beim Verrotten zusätzlich Stickstoff, den der Wirsing als Starkzehrer gut gebrauchen kann.
In der Reifephase wird die Pflanze als Tiefwurzler weniger gießbedürftig, da sie Feuchtigkeit aus tieferen Bodenschichten aufnehmen kann.
Düngen mit Augenmaß
Als Starkzehrer braucht Wirsing regelmäßig Nährstoffe. Wenn du das Beet gut mit Kompost vorbereitet und gemulcht hast, reicht das für viele Situationen aus. Zeigen die Pflanzen Schwächen, hilf mit Brennnesseljauche oder einem organischen Flüssigdünger nach. Zur Kopfbildung unterstützen Pflanzenjauchen besonders gut.
Achte allerdings darauf, nicht zu viel zu düngen. Überdüngung verringert die Widerstandskraft gegen Krankheiten und kann den Geschmack unangenehm schwefelig machen. In den letzten Wochen vor der Ernte solltest du das Düngen komplett einstellen.
Regelmäßig hacken und pflegen
Brich die Bodenkruste rund um die Pflanzen regelmäßig auf, indem du den Boden hackst. Das verbessert die Durchlüftung und verhindert übermäßige Verdunstung. Vergilbte Außenblätter entfernst du laufend. Bei größeren Pflanzen kannst du Erde am Stiel anhäufeln, um die Stabilität zu verbessern.
Schädlinge und Krankheiten vorbeugen

Der wichtigste Schutz gegen Kohlschädlinge ist ein Insektenschutznetz. Es hält den Kohlweißling, Eulenschmetterlinge und Erdflöhe zuverlässig fern. Bringe das Netz direkt nach der Pflanzung an und achte darauf, dass es rundum dicht abschließt.
Ein praktischer Tipp: Duftende Kräuter wie Thymian, Kamille oder Gewürztagetes in der Nachbarschaft können zusätzlich Schädlinge fernhalten. Die Gewürztagetes solltest du allerdings regelmäßig zurückschneiden, damit der Wirsing genug Licht bekommt.
Ein weiterer Vorteil der frühen Aussaat: Der Kohlweißling hat im Frühjahr schlicht nicht genug Zeit, die Pflanzen großartig zu schädigen, bevor die Ernte ansteht.
Die gefürchtetste Krankheit beim Kohlanbau ist die Kohlhernie, ein Schleimpilz, der die Wurzeln befällt. Hat sich der Pilz einmal im Boden ausgebreitet, ist Kohlanbau an dieser Stelle über Jahre unmöglich. Die beste Vorbeugung: Halte eine Anbaupause von mindestens vier Jahren ein, in denen du keine Kohlart oder andere Kreuzblütler am selben Standort anbaust. Prüfe vor der Pflanzung immer, ob in den Vorjahren Kohl auf dem Beet stand.
Mischkultur und gute Nachbarn
Wirsing versteht sich gut mit einer Reihe anderer Gemüsearten. Bewährte Nachbarn sind Bohnen, Kartoffeln, Möhren, Sellerie, Spinat, Salat und Gurken. Auch Erbsen und Paprika passen in die Nachbarschaft.
Vermeide dagegen andere Kreuzblütler in direkter Nähe. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, halte mindestens 60 Zentimeter Abstand. Höher wachsende Kohlarten wie Rosenkohl sollten hinter dem Wirsing stehen, nicht davor, da sie ihn sonst beschatten.
Verschiedene Kohlsorten lassen sich durchaus in einer gemischten Reihe anbauen. Das hat den Vorteil, dass du alle unter einem gemeinsamen Schutznetz gegen den Kohlweißling schützen kannst.
Winter-Wirsing eignet sich als Folgekultur nach Spinat. Ist der frühe Wirsing abgeerntet, machen Rote Bete, Bohnen oder Sommersalate eine gute Nachkultur.
Ernte, Lagerung und Verwendung

Wann ist der Wirsing erntereif?
Die einfachste Methode: Drücke den Kopf leicht zusammen. Fühlt er sich fest an, ist er erntereif. Schneide den Kopf mit einem scharfen Messer unterhalb des Ansatzes ab und entferne die äußeren Blätter. Reiße den Kopf nicht ab, da das die verbleibende Pflanze beschädigt.
Nach der Ernte solltest du die Wurzeln aus dem Boden ziehen. Das beugt der Ausbreitung von Krankheiten vor.
Lagerung
Frisch geernteter Wirsing hält sich im Kühlschrank mehrere Tage. Für eine längere Lagerung legst du die Köpfe in Netze oder auf Regale an einem kühlen Ort. Eine bewährte Alternative: Die ganzen Pflanzen kopfüber an den Wurzeln aufhängen. Lagere Wirsing nicht neben Äpfeln, da deren Ethylen-Abgabe den Kohl schneller welken lässt.
Zum Einfrieren schneidest du den Wirsing in Streifen, blanchierst ihn kurz und frierst ihn portionsweise ein.
In der Küche
Früh geernteter Wirsing ist ein Geheimtipp für die Rohkost: dünn geschnitten als Salat schmeckt er herrlich mild und zart. Ansonsten eignet sich Wirsing zum Dünsten, für Eintöpfe, Kohlrouladen und Aufläufe. Er lässt sich auch fermentieren. Wirsing ist reich an Vitamin C, Folsäure, Kalium und Glucosinolaten, also sekundären Pflanzenstoffen mit gesundheitsfördernder Wirkung.
FAQ
Wann kann ich Wirsing aussäen?
Das hängt von der Sorte ab. Frühsorten säst du von Januar bis März aus, mittlere Sorten im Mai und Spätsorten von April bis Juli. Bei einer Aussaat vor März brauchst du Zusatzbeleuchtung.
Wie viel Platz braucht Wirsing?
Rechne mit 50 bis 60 Zentimetern Abstand in alle Richtungen. Bei frühen, kleineren Sorten genügen 40 Zentimeter. Kohlpflanzen werden größer, als man anfangs denkt.
Kann Wirsing Frost vertragen?
Wirsing ist eine der frostresistentesten Kohlarten. Jungpflanzen vertragen bis minus 8 Grad, manche Sorten sogar bis minus 12 Grad. Winterharte Sorten überstehen den kompletten Winter im Freiland.
Warum werden meine Wirsingköpfe nur klein?
Häufigste Ursache: Die Jungpflanzen haben zu lange in kleinen Töpfen gestanden und der Stiel hat begonnen zu verholzen. Pflanze rechtzeitig aus, sobald die Bedingungen es erlauben. Auch ein zu enger Pflanzabstand oder Nährstoffmangel führen zu kleinen Köpfen.
Welche Sorten eignen sich für Anfänger?
Vorbote 3 und Alcosa sind robuste Frühsorten mit kurzer Kulturdauer von 65 bis 75 Tagen. Für die Winterernte eignet sich Marner Grüfewi, da diese Sorte besonders winterhart ist.
Fazit
Wirsing verdient einen festen Platz im Gemüsegarten. Die Pflanze wächst schneller als viele andere Kohlarten und lässt sich mit der richtigen Sortenwahl nahezu das ganze Jahr über ernten. Die wichtigsten Regeln: Nährstoffreichen Boden vorbereiten, sonnigen Standort wählen, rechtzeitig auspflanzen und die Fruchtfolge einhalten. Wer diese Grundlagen beachtet, wird mit zarten Frühsommerköpfen und robusten Winterkugeln gleichermaßen belohnt. Und selbst im Februar noch eigenen Wirsing zu ernten, das ist ein gutes Gefühl.
