Zitronengras im Kübel: Anbau, Pflege und Ernte in Deutschland
Zitronengras duftet wie frische Zitronen, macht Thai-Currys und Kräutertees besonders aromatisch und sieht als üppiges Gras in einem großen Kübel auf Balkon oder Terrasse ausgesprochen dekorativ aus. Das einzige, was du in Deutschland beachten musst: Die Tropenpflanze verträgt keinen Frost und braucht jeden Winter einen geschützten Platz im Haus. Mit dem richtigen Aufbau funktioniert das problemlos, und du kannst dieselbe Pflanze viele Jahre lang nutzen und teilen. Dieser Ratgeber erklärt dir alles Schritt für Schritt.
Das Wichtigste in Kürze
- Standort: Vollsonnig, windgeschützt, warm, mindestens 6 Stunden Sonne täglich
- Frostgrenze: Spätestens bei 7–8°C Nachttemperatur kommt die Pflanze ins Haus
- Günstiger Einstieg: Frische Supermarkt-Stängel in 3–5 cm Wasser stellen, nach 1–2 Wochen bilden sich Wurzeln
- Gießen im Sommer: 2–3x pro Woche, aber niemals Staunässe im Kübel
- Düngen: April bis September, einmal monatlich mit organischem Flüssigdünger; im ersten Jahr gar nicht
- Überwinterung: Mindestens 10°C, heller Standort, stark reduziertes Gießen
- Ernte: Äußere Halme nahe der Basis schneiden, die zwiebelartige Verdickung ist der aromatischste Teil
Die zwei Arten: Welches Zitronengras ist das richtige für dich?
Unter dem Begriff "Zitronengras" werden zwei botanisch verwandte Arten verkauft und angebaut:
Cymbopogon citratus (Westindisches Zitronengras) ist die häufigere Art im Handel. Wenn du Zitronengras im Supermarkt, Asialaden oder in der Gärtnerei kaufst, handelt es sich fast immer um diese Art. Sie bildet in deutschen Breitengraden kaum Samen, lässt sich aber hervorragend über die Bewurzelung von Stängeln oder durch Teilung vermehren. Ihr Aroma ist intensiv zitronig und perfekt für die Küche.
Cymbopogon flexuosus (Ostindisches Zitronengras) hat einen leicht anderen Charakter: Das Aroma ist zitronig mit einer leichten menthol-artigen Note. Diese Art bildet in Deutschland häufiger Samen und ist daher die bessere Wahl, wenn du über Saatgut anbauen möchtest. Im Geschmack unterscheiden sich beide Arten für die meisten Menschen kaum.
Für Einsteiger empfiehlt sich C. citratus: leicht zu bekommen, unkompliziert in der Handhabung und vielseitig in der Küche.
Wann und wie startest du mit Zitronengras?
Den idealen Start für den Außeneinsatz bietet die Zeit nach den Eisheiligen (Mitte Mai), wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind. Bis dahin wächst die Pflanze auf der Fensterbank oder im Wintergarten weiter.
Der Anzuchtweg hängt davon ab, was du zur Verfügung hast:
- Supermarkt-Stängel bewurzeln: Ganzjährig möglich, kein Saatgut nötig, günstigster Einstieg
- Aussaat (nur C. flexuosus): Januar bis März auf der hellen Fensterbank
- Teilung einer vorhandenen Pflanze: Im Frühjahr (April bis Mai), wenn die Pflanze wieder austreibt
Wer jetzt im Frühling anfängt, liegt mit der Bewurzelung im Wasserglas am schnellsten richtig.
Anzucht und Einpflanzen: Drei Methoden
Methode 1: Supermarkt-Stängel bewurzeln
Das ist der günstigste und unkomplizierteste Einstieg. Du brauchst nur frische Zitronengras-Stängel aus dem Supermarkt, Asialaden oder Wochenmarkt.
- Frische Stängel kaufen: Die zwiebelartige Verdickung an der Basis muss vollständig und unbeschädigt sein
- In ein Glas mit 3–5 cm Leitungswasser stellen
- Wasser alle 2–3 Tage wechseln, um Schimmelbildung zu vermeiden
- Hell und warm stellen (mindestens 20°C)
- Nach 1–2 Wochen erscheinen die ersten weißen Wurzeln
- Bei 2–3 cm Wurzellänge vorsichtig in Topferde umsetzen
Tipp: Nicht jeder Stängel bewurzelt sich. Kaufe immer einen ganzen Bund und stelle alle Stängel gemeinsam ins Wasser. Grüne, frische Stängel mit unversehrter Basis funktionieren am besten, getrocknete oder sehr alte Halme weniger.
Methode 2: Aussaat (nur Cymbopogon flexuosus)
- Januar bis März in nährstoffarme Anzuchterde säen
- Samen nur leicht andrücken, nicht mit Erde abdecken, Zitronengras ist ein Lichtkeimer
- Transparente Folie mit ein paar kleinen Löchern auflegen, täglich kurz lüften
- Hellen Standort bei 15–25°C wählen
- Keimung nach 3–5 Wochen
- Einzelne Pflänzchen bei etwa 5 cm Höhe in eigene Töpfe pikieren
Methode 3: Rhizomteilung
Wenn du bereits eine Pflanze hast oder von jemandem Ableger bekommst, ist die Teilung der einfachste Weg zu neuen Pflanzen.
- Gesamte Pflanze aus dem Topf nehmen
- Wurzelstock mit einem scharfen Messer in mehrere Teile teilen, jedes Teil braucht ein paar Halme und Wurzeln
- Jeden Teil sofort in frisches Substrat einpflanzen
- Kräftig angießen und für eine Woche halbschattig stellen
In den Kübel einpflanzen
Zitronengras braucht einen großen Topf: mindestens 20 Liter Fassungsvermögen. In einem zu kleinen Topf kommt die Pflanze schnell an ihre Grenzen.
So pflanzt du richtig ein:
- Drainage anlegen: 2–3 cm Blähton oder Kies auf den Topfboden geben
- Substrat mischen: 2/3 Kräuter- oder Blumenerde, 1/3 Sand
- Pflanze einsetzen: Der Wurzelhals sitzt auf Höhe der Substratoberfläche
- Angießen: gründlich, aber ohne Staunässe im Untersetzer
Tipp: Beim jährlichen Umtopfen im Frühjahr den neuen Topf nur 3–4 cm größer wählen als den bisherigen. Ein zu großer Sprung führt oft dazu, dass das Substrat dauerhaft zu feucht bleibt.
Im Beet: Wer Zitronengras direkt im Gartenbeet anpflanzt, braucht einen Abstand von mindestens 50 cm zwischen den Pflanzen, da sich die Horste über die Saison deutlich ausbreiten.
Pflege: Gießen, Düngen und Schneiden
Gießen
Zitronengras ist eine Tropenpflanze und braucht im Sommer gleichmäßig Wasser, verträgt aber keine Staunässe. Das Gleichgewicht ist einfacher als es klingt:
- Sommer: 2–3x pro Woche gießen, je nach Temperatur und Topfgröße
- Winter: Deutlich reduzieren, 1x pro Woche oder alle 14 Tage reicht
- Daumenregel: Erst gießen, wenn die obere Erdschicht (ca. 2–3 cm) trocken ist
Gieße am besten von unten: Wasser in den Untersetzer geben, 30 Minuten warten, dann Überschuss wegschütten. So werden die Wurzeln gut versorgt und die Substratoberfläche bleibt trocken, was Trauermücken die Eiablage erschwert.
Düngen
Zitronengras wächst schnell und freut sich über regelmäßige Nährstoffgaben in der Wachstumsphase.
- Zeitraum: April bis September
- Häufigkeit: Einmal im Monat
- Mittel: Organischer Flüssigdünger, zum Beispiel verdünnte Brennnesseljauche, fertiger Kräuterdünger oder Hornspäne-Lösung
- Erstes Jahr: Nicht düngen, das frische Substrat enthält ausreichend Nährstoffe
- Winter: Komplette Pause bis zum Frühjahr
Schneiden
Zitronengras braucht keinen klassischen Erziehungsschnitt wie verholzende Kräuter. Die Pflanze ist immergrün und treibt selbstständig neue Halme nach. Das einzige, was du tun solltest:
- Gelbe oder vertrocknete Blätter und Halme abziehen oder mit einer scharfen Schere abschneiden
- Regelmäßige Ernte wirkt bereits wie ein Verjüngungsschnitt
- Optional vor der Überwinterung: Halme auf etwa 10 cm über dem Boden kürzen, das spart Platz und macht den Transport ins Winterquartier einfacher
Überwinterung: Die Tropenpflanze sicher durch den Winter bringen
Die Überwinterung ist der wichtigste Punkt beim Zitronengras-Anbau in Deutschland. Die Pflanze kommt aus dem tropischen Südindien und verträgt keinerlei Frost.
Wann muss die Pflanze rein? Spätestens wenn die Nachttemperaturen regelmäßig unter 7–8°C fallen. In Deutschland ist das meist Anfang bis Mitte Oktober. Lieber ein paar Tage zu früh als zu spät, ein einziger Kälteeinbruch kann die Pflanze erheblich schwächen.
Was braucht Zitronengras im Winterquartier?
- Temperatur: mindestens 10°C, am besten 12–15°C
- Licht: sonnige Fensterbank, Wintergarten oder heller Keller mit Fenster
- Gießen: stark reduziert, 1x pro Woche oder alle 14 Tage
- Düngen: pausieren bis März/April
Die Pflanze wird im Winter etwas weniger üppig aussehen und möglicherweise einige Blätter abwerfen. Das ist normal. Im Frühjahr treibt sie zuverlässig wieder frisch aus.
Tipp: Wenn du die Halme vor dem Einräumen auf 10 cm kürzt, passt die Pflanze in fast jeden Raum und lässt sich leichter transportieren. Eine helle, frostfreie Garage mit Fenster oder ein kühler Wintergarten (mind. 10°C) reichen vollkommen aus.
Zurück nach draußen: Nach den Eisheiligen (Mitte Mai), wenn keine Fröste mehr drohen. Gewöhne die Pflanze schrittweise an die Sonne: Die ersten 3–5 Tage an einem halbschattigen Platz, danach an ihrem sonnigen Stammplatz.
Häufige Probleme und Lösungen
Trauermücken
Die Trauermücke ist der häufigste Schädling bei Kübelpflanzen. Die kleinen schwarzen Fliegen selbst richten keinen Schaden an, aber ihre Larven im Substrat fressen an den Wurzeln und können Wachstumsprobleme verursachen.
Vorbeugung:
- Substrat immer leicht antrocknen lassen bevor du gießt
- Von unten gießen (trockene Oberfläche = kein Eiablageplatz)
- Dünne Sandschicht auf der Substratoberfläche (erschwert die Eiablage)
- Gelbtafeln aufhängen (fangen die erwachsenen Mücken)
Bekämpfung: Substrat wechseln, Bewässerungsrhythmus anpassen, Nützlinge (Raubmilben) einsetzen.
Gelbe Blätter
Gelbe Halme haben unterschiedliche Ursachen:
- Natürliche Alterung äußerer Halme: einfach abziehen, das ist normal
- Zu wenig Licht: Standort prüfen, sonniger aufstellen
- Staunässe: Drainage und Gießrhythmus überprüfen
- Zu wenig Wasser im Sommer: Gießhäufigkeit erhöhen
Kümmerwuchs trotz Sonne
Wenn das Zitronengras kaum wächst:
- Topf zu klein: In größeren Kübel (mindestens 20 Liter) umtopfen
- Nährstoffmangel: Düngung starten oder intensivieren
- Standort zu kühl oder windig: Wärmeren, geschützteren Platz suchen
Ernte und Verwendung in der Küche

Wie und wann ernten?
Zitronengras kannst du das ganze Jahr ernten, im Winter aber nur sehr sparsam, damit die Pflanze nicht geschwächt wird. So läuft die Ernte richtig:
- Immer die äußersten Halme abschneiden oder nah an der Basis brechen
- Die inneren, jungen Halme stehen lassen, sie sind das Wachstumszentrum der Pflanze
- Nur den unteren, weichen Teil der Halme verwenden (etwa das untere Drittel), der obere Teil ist zu faserig für die Küche
- Die zwiebelartige Verdickung an der Halmbasis ist das aromatischste Stück und enthält die höchste Konzentration ätherischer Öle
In der Küche verwenden
Zitronengras gibt Gerichten ein frisches, zitroniges Aroma ohne die Säure von Zitrusfrüchten.
Vorbereitung: Äußere harte Hüllblätter entfernen. Den unteren Stängelbereich in dünne Ringe schneiden oder den ganzen Halm anquetschen (mit dem Messerrücken) und im Ganzen mitkochen.
Teeaufguss: Frische Halme grob hacken, mit kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen. Der Tee wirkt mild verdauungsfördernd.
Passt zu: Thai-Currys, Kokosmilch-Suppen, Hähnchen, Fisch, Meeresfrüchten, Dressings, Marinaden und Kräutertees.
Lagerung: Frische Halme halten sich im Kühlschrank (in einem Beutel) 1–2 Wochen. Zum Einfrieren die Stängel in Stücke schneiden und direkt gefroren verwenden.
FAQ
Kann ich Zitronengras vom Supermarkt einpflanzen?
Ja, und das funktioniert sehr gut. Stelle die Stängel mit ihrer Basis in ein Glas mit 3–5 cm Wasser. Nach 1–2 Wochen erscheinen Wurzeln. Sobald sie 2–3 cm lang sind, kannst du die Stängel in Erde einpflanzen. Kaufe möglichst frische, grüne Stängel mit intakter Verdickung an der Basis.
Ist Zitronengras winterhart?
Nein. Zitronengras verträgt keinen Frost. In Deutschland muss es jedes Jahr spätestens Anfang Oktober ins Haus, an einen hellen, mindestens 10°C warmen Ort. Im Wintergarten oder auf einer Südfensterbank überwintert es problemlos.
Wie groß wird Zitronengras im Kübel?
Im Sommer bei guter Versorgung kann Zitronengras 1–2 Meter hoch werden und einen dichten Horst bilden. In einem 20-Liter-Kübel wächst es etwas kompakter, aber dennoch eindrucksvoll.
Kann ich Zitronengras für Tee verwenden?
Ja. Frisch gehackte Halme mit kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen ergibt einen aromatischen Kräutertee. Das Getränk wirkt mild verdauungsfördernd und schmeckt angenehm zitronig.
Muss ich Zitronengras jedes Jahr neu kaufen?
Nein. Mit der richtigen Überwinterung übersteht dieselbe Pflanze viele Jahre. Im Frühjahr kannst du sie durch Teilung des Wurzelstocks sogar vermehren und Ableger verschenken.
Fazit
Zitronengras ist eine dankbare Kübelpflanze für alle, die tropisches Aroma in den eigenen Garten holen möchten. Der Einstieg über Supermarkt-Stängel kostet kaum etwas, die Pflege im Sommer ist unkompliziert, und die Überwinterung an einem hellen, frostfreien Ort ist der einzige Punkt, der ein bisschen Planung erfordert. Mit dem Wissen aus diesem Ratgeber bist du gut ausgerüstet, um dein eigenes Zitronengras anzubauen, zu pflegen und das ganze Jahr über zu ernten. Starte jetzt und ernte noch in dieser Saison deine ersten aromatischen Halme für Tee, Curry und mehr.
